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Happy Feet

"Es gibt eine Weisheit, die über allen steht: Du sollst nie, niemals, unter keinen Umständen das Ei fallen lassen". Doch leider passiert dem Kaiserpinguin Memphis während der Wanderung durch Eis und Schnee genau dieses Malheur und damit nimmt der Film seinen Lauf. Es gibt eine andere Weisheit für den Animationsfilm, die über allen steht: Du sollst nie, niemals, unter keinen Umständen vergessen trotz all der tollen Tricktechnik, eine lustige und spannende Geschichte zu erzählen. Die stammt zwar nicht aus dem Film ist aber auch wahr und gilt leider besonders für "Happy Feet".
Dank Klimawandel, Knut und der witzigen Truppe aus "Madagascar" stehen die Pole und ihre Bewohner wieder einmal im Mittelpunkt eines Filmes mit tierischen Helden. Nicht zuletzt durch den großen Erfolg von  Luc Jacquets Film " Die Reise der Pinguine" über das raue Leben der Kaiserpinguine in der Antarktis sind besonders die befrackten Watschelvögel wieder verstärkt gefragt. Nur wenig später als "Happy Feet" versuchen sie sich als Surfer im Film "Könige der Wellen" und in der Vergangenheit durften die possierlichen Zeitgenossen schon öfter mal ran - sei es in dem Spielfilm "Hubi, der Pinguin" (Don Bluth) oder als Knetfigur in der Serie "Pingu". Nun hat sich der Regisseur George Miller ("Mad Max", "Ein Schweinchen namens Babe") dieser Spezies angenommen, der sich gleich noch am Drehbuch und der Produktion beteiligte.Weitgehend in Australien, der Heimat von Miller entstanden, zeigt sich, dass es hier ebenfalls hervorragende Animateure gibt. Optisch vom Feinsten werden die verschiedenen Blau- und Weiß-Töne der unwirtlichen Umgebung aufwändig in Szene gesetzt. Auch die Animation der tierischen Bewohner geht völlig in Ordnung und braucht Vergleiche zu den CGI-Vorzeigefirmen "Pixar" oder "Dreamworks" nicht zu scheuen. Es hapert aber an einer überzeugenden Grundidee und so wird eine langweilige bis langatmige Geschichte mit einem schauderhaften End-Plot serviert.
Der Start ist zunächst noch viel versprechend. Memphis, einem Elvis-Verschnitt gelingt es mit seinem Herzenslied die Dame fürs Leben zu finden, denn bei der riesigen Kolonie der Kaiserpinguine finden die Paare nur über ihren individuellen Gesang zueinander. Ergebnis der Beziehung ist schon bald ein Ei, das der Vater auf der langen und mühseligen Wanderschaft (Details hierzu im Jacquet-Film) bewachen muss, während die Mutter Norma Jean schon mal für Futter sorgt. Doch der Erzeuger passt auf dem Marsch nicht auf und prompt rollt das Ei aus der Reihe. Das gilt gemeinhin als böses Zeichen und tatsächlich ist das flauschige Küken von Geburt an anders. Es hat zu groß geratene Füße und eine fürchterlich Singstimme. Wie sich aber zeigt ist er ein begnadeter Stepptänzer, was aber nichts in der Kolonie zählt, wo es nur auf den Gesang ankommt. So wird Mumble bald zum Außenseiter, der nur auf die Lieber seiner Mutter und der Zuneigung seiner Jungenliebe Gloria bauen kann, die natürlich der Gesangsstar am Pol ist. Bei dieser Thematik ist es kein Wunder, dass viel gesungen wird, wobei die Songs von Soul, Rap bis hin zu den Beach Boys reichen. Sind singende Pinguine noch Geschmackssache so ist ein steppender Vogel mit Stummelflügeln nur ein kurzer niedlicher Anblick. Rasch ist es nur blödes Herumgehoppel auf dem Eis ohne Charme, Anmut und Originalität.
Anerkennung und Freunde findet Pebbels dagegen in einer Nachbargruppe von den kleineren Adelie-Pinguinen. Hier entschließt sich eine Gruppe machohaft-cooler latinoquatschender Nervensägen dem Außenseiter zu helfen, seine Herzensdame zu erobern. Hätte man hier den Film zu Ende gebracht wäre er zwar auch nicht besonders toll und etwas kurz gewesen, aber okay es war ein nettes Pinguin-Musical mit tollen Bildern. Leider wollten die Drehbuchautoren aber mehr: Eine ökologische Botschaft mit Tiefsinn und eine aufrüttelndes Finale musste her.
Mumble will nämlich herausfinden, warum es immer weniger Fische gibt und macht sich deshalb mit seinen Freunden auf die Aliens/Menschen zu suchen und um Hilfe zu bitten. Nach einigem hin und her findet er tatsächlich diese Wesen doch sie fischen mit ihren riesigen Schiffen die Meere leer. Er macht sich an die Verfolgung der Fangflotte und landet total erschöpft an einem Strand (!) und wird in ein Aquarium gesteckt (!!), wo er in Gefangenschaft langsam zu verblöden beginnt. Doch als er in seiner Verzweiflung einige Tanzschritte zu machen, die ein Mädchen beobachtet, hat er eine Möglichkeit gefunden mit den Mensch zu kommunizieren (!!!). Daraufhin wird er als Art Botschafter von einer Gruppe Wissenschaftler zu seiner Sippe geschickt (!!!!), wo er seine Artgenossen überzeugen kann, dass sie den Menschen etwas vorhoppeln. Dies bewegt die Menschheit von nun an die Pinguine zu schonen und ihre Jagdgründe in Ruhe zu lassen (!!!!!!!!!!!!!!).
Entschuldigung, aber diesen aufgepfropften Ökoquark glaubt schon kein Vierjähriger mehr.
Natürlich würden wir Menschen herumhüpfenden Pinguinen nicht die Fische weg fangen, schließlich killen wir auch nicht so intelligente Tiere wie Wale oder Menschenaffen. Da musste wohl noch mit Gewalt irgendein Happy End für die Happy Feets her - anders kann ich mir diesen Megaschwachsinn nicht erklären.

So bleibt ein gut animierter Film, der keine Geschichte zu erzählen weiß bzw. sich nicht entscheiden kann, ob es beschwingtes Musical mit Tiefsinn oder eine Komödie mit Ökobotschaft sein will. Die zusammen geschraubte Handlung bietet statt Witz und Originalität viel Leerlauf und wird gegen Ende nur noch peinlich.
Dennoch haben sich die Produktionskosten von 85 Millionen Dollar und die Verpflichtung der Stimmen von Robin Williams (Mumble), Nicole Kidman, Hugh Harman oder Elija Wood bezahlt gemacht, denn in den USA konnte sogar der neue James Bond am Starwochenende aus dem Rennen geworfen werden und verpasst knapp die 200 Millionen Dollar Einspielgrenze. In Deutschland strömten knapp über eine Million Menschen in den Film.
Freuen wir uns lieber auf die lässige Pinguin-Gang von "Madagascar 2" und hoffen wir, dass tierische Sympathieträger wie Knut, die Menschen zu mehr Bewusstsein in Sachen Umwelt bringen können.
 

Originaltitel

Happy Feet

Produktionsfirma

Warner Bros. Pictures

Regie

George Miller

Produzenten

Doug Mitchell, George Miller, Bill Miller

Drehbuch

George Miller, John Collee, Judy Morris, Warren Coleman

Musik

John Powell

Jahr

2006

Länge

104 Min.

Homepage

www2.warnerbros.com/happyfeet/

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