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Ab durch die Hecke
Copyright: Dreamworks

Ab durch die Hecke

Das Jahr 2006 brachte einen neuen Rekord an computeranimierten Filmen, aber sorgte beim Publikum schnell für erste Ermüdungserscheinungen. Insbesondere als sich einige Themen häuften, denn vielen Autoren hatte es die Idee angetan, "zivilisierte" Tiere mit der Wildnis zu konfrontieren. Begonnen hatte es mit dem Erfolg von Dreamworks "Madagascar", in der eine Gruppe von Zootieren auf einer Insel stranden. Dann nahm Disney das Thema fast identisch im Film "Tierisch Wild" auf. Bei "Flutsch und weg" findet sich eine verwöhnte Hausratte in der Unterwelt der Kanalisation wieder und in "Jagdzeit" geht um einen gezähmten Bären und seine Probleme während der Jagdsaison. In "Ab durch die Hecke" wird das Prinzip zur Abwechslung mal umgedreht: Nun versucht ein zivilisationsgeiler Waschbär eine Gruppe von Waldbewohnern davon zu überzeugen, dass Menschen an erster Stelle ideale Futterlieferanten darstellen.
Jetzt ist diese Idee im ersten Moment nun auch nicht gerade irrsinnig originell, aber dennoch spielte er in Amerika fast 200 Millionen Dollar ein (bei Kosten von rund 80 Millionen Dollar) und gehörte in Deutschland mit über 3 Millionen Zuschauern zu den zehn erfolgreichsten Filmen des Jahres 2006. Also doch eine anziehender Ausgangsplot? Wohl eher weniger, sondern vielmehr eine witzig umgesetzte Story, bei der der übliche Hinweis von Dreamworks "von den Machern von "Shrek" einmal nicht in die Irre führte. In seinen frechsten und turbulentesten Momenten des Films fühlt man sich tatsächlich an den anarchistischen und eher für ältere Kinder und jung gebliebene Erwachsene geeigneten Humor des Oger erinnert. Es werden zudem ebenfalls gekonnt Filmzitate aufs Korn genommen und satirisch überzeichnet. Insgesamt also mehr Warner Cartoon und Tex Avery Chaos als knallig-bunte Disney-/Pixar-Unterhaltung für die gesamte Familie.
Nun hat man zwar nicht gleich "Shrek 3" vor sich, aber zumindest einen Film, der jüngere wie ältere Kinder/Erwachsene begeistern kann, dank süßer Tiere, hohem Tempo, frechem Witz und schließlich für die Kinder die übliche moralische Botschaft zum Thema Treue, Freundschaft und wahre Familienwerte. Etwas zwiespältig bleibt der Eindruck beim Thema Junk Food und Zivilisationskritik - hier hat man doch einige Chancen vertan, den American Way of Life bei Verhalten und Ernährung satirisch auf Korn zu nehmen. Wahrscheinlich sollte auch den Kinobetreibern nicht das Geschäft mit Cola, Nachos und Chips kaputt gemacht werden.

Der Film beginnt  mit einer wenig vorbildhaften Tat. Der vorwitzige Waschbär Richie schleicht sich in die Höhle seines großen Artverwandten, dem Grizzlybären Vincent, und klaut dessen Fressvorräte. Dabei werden jedoch die gestohlenen Waren platt gemacht. Dieses Schicksal droht ihm nun ebenfalls, wenn er nicht innerhalb einer Woche wieder alles ersetzt. Erschwert wird diese schon nicht leichte Aufgabe dadurch, dass es sich bei den Nahrungsmitteln nicht um Gesundes aus Feld und Flur handelt, sondern um allerlei Zeug aus der Fastfood-Welt des Menschen. Ein echtes Problem also, dass eine überraschende Lösung bietet als er auf eine Gruppe von Waldbewohnern trifft, die bisher noch der natürlichen Lebensweise frönten. Sie finden nach ihrem Winterschlaf plötzlich eine riesige uns scheinbar endlose Hecke hinter der die Menschen eine Neubausiedlung aufgezogen haben.
Ihr Anführer, die vorsichtige Schildkröte Verne, will mit der seltsamen Zivilisation hinter der Hecke nichts zu tun haben, während Ritchie die Menschen als ideale Futterlieferanten in den schillernsten Farben schildert. Die bunt gemischte Waldtiergruppe weist insbesondere mit dem ängstlich-durchgeknallten, aber windschnellen Eichhörnchen Hammy (Screwy Squirrel von Tex Avery lässt grüßen) und dem weiblichen Stinktier Stella (mit einer netten Reminiszenz Pepe Le Pew) bemerkenswerte Charaktere auf, aber mit einem Opossum-Pärchen und einer Stachelschwein-Familie auch einige blasse, wenig originelle Mitläufer.
Dank Richies verzweifelter Hartnäckigkeit und Überredungskünste gewinnt schließlich der Bauch über den Verstand und die Tiertruppe macht sich unter seiner Führung über Mülltonnen und Lebensmittelvorräte der Menschenkolonie her. Deren Antwort lässt nicht lange auf sich warten und zwar in der Gestalt eines hartgesottenen, übergewichtigen Kammerjägers.
Stoff genug also für eine turbulente Handlung, bei der es wild hin und her geht, die Geschichte insgesamt aber vorhersehbar bleibt. Dass ein geläuterter Ritchie schließlich das eingesammelte Futter sausen lässt um seine neuen Freunde aus den Händen der Menschen zu befreien überrascht nicht wirklich, dürfte aber die Erziehungsberechtigten freuen. Andere Stellen im Film waren da schon weniger political correct.

Tricktechnisch können zwar kaum noch neue Barrieren durchbrochen werden, aber Optik und Animation sind tadellos und machen Spaß beim anschauen. Erfreulich auch die Synchronstimmen, bei denen man auf weniger talentierte Popstars verzichtet und lieber auf starke Schauspieler gesetzt hat: Götz Otto, Bernhard Hoecker, Ben Becker, der Comedian Ralf Schmitz erledigen ihre Aufgabe sehr gut und bei Jeanette Biedermann merkt man, dass sie auch als Schauspielerin aktiv ist. Lohnend ist der Blick aufs Original, in dem man unter anderem Bruce Willis, William Shatner (Cptn. Kirk), Nick Nolte oder Popstar Avril Lavigne hören kann.
Dank des großen Erfolges fehlt es natürlich nicht an Gerüchten über eine Fortsetzung.

Originaltitel

Over the Hedge

Produktionsfirma

Paramount/DreamWorks
Produzenten Bonnie Arnold, Bill Damaschke
Regie Tim Johnson, Karey Kirkpatrick
Buch Len Blum, Lorne Cameron, David Hoselton, Karey Kirkpatrick
Comic-Vorlage Michael Fry, T Lewis
Musik Rupert Gregson-Williams, Ben Folds
Jahr 2006

Länge

83 Minuten
Internetadresse http://movies.uip.de/abdurchdiehecke/

 

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