
Copyright: Manfred Durniok Produktion; ICAIC
Krieg
der Vampire
Wirft man einen Blick auf die Weltkarte der Animation so stechen
hier besonders die USA, einige Länder Europas und in Asien vor allem Japan als
Staaten heraus, die hierzulande als Produzenten von Trickfilmen auftauchen.
Dagegen sind mit Ausnahme vielleicht einiger Festival-Kurzfilme kaum Regisseure,
Autoren und deren Werke aus Regionen Mittel- und Südamerikas, Afrikas und weiten
Teilen Asiens bei uns bekannt oder werden irgendwo zugänglich gemacht. Natürlich
bietet sich dank Internet immer mehr Chancen auch an Informationen und Filme
solcher Länder heranzukommen, aber der Aufwand hierfür wie auch die Kosten
bleiben hoch.
Eine der wenigen Ausnahmen ist dagegen ein kubanischer Zeichenrickfilm von Juan
Padrón, der als Meister der kubanischen Animation gilt - wobei sich die Zahl der
Mitstreiter um diesen Titel auf der Antilleninsel im überschaubaren Rahmen halten
dürfte. Er war als Cartoonist mit der beliebten Serie "Elpidio Valdès" bekannt
geworden und sich schließlich auch der Animation zugewandt.
Seine Grusel-Satire im Geiste von Polanskis "Tanz der Vampire" steigerte
seine Chancen im deutschen Fernsehen gezeigt zu werden (ARTE und 3SAT) dadurch,
dass an der Produktion auch Deutsche beteiligt waren und somit generell bei uns
etwas mehr Aufmerksamkeit bestand.
Der Film entstand zu einer
Zeit (1985) als Disney gerade kräftig schwächelte und mit "Taran und der
Zauberkessel" einen grandiosen Flop landete. In Europa gab es einen weiteren
Asterix-Film ("Asterix: Sieg über Cäsar") aber auch den kritischen britischen
Film "Wenn der Wind weht", der für Gesprächsstoff sorgte. Doch "Krieg der
Vampire" bot weder das familienfreundliche Animationsdesign Disneys noch gab es
Gesellschaftskritik mit erhobenem Zeigefinger. Stattdessen wird Humor für
erwachsenes Publikum im Karikatur-Stil geboten, der an Arbeiten von Europäern wie Bozzetto ("Der wildeste Westen") oder Picha ("Tarzoon, Schande des Dschungels")
erinnert samt einer Prise Ralph Bakshi ("Fritz the Cat").
Womit wir schon bei einem Problem wären: All diese Filme waren bereits in den
70er Jahren erschienen und eigentlich war man Mitte der 80er Jahre in Sachen
Animation schon weiter und optisch ansprechenderes gewöhnt. Hinzu kommt eine Geschichte,
die etwas unentschlossen daher kommt und eine Mischung aus Vampir-Persiflage,
Veräppelung von Gangsterfilmen, puren Nonsens und Jazz-Musik bietet. Muss man
mögen ist aber natürlich nichts für die breite Masse, aber das wussten die Macher
sicherlich schon vorher.
Die Geschichte erweist den Produktionsländern ihre Referenz, denn sie spielt zwar überwiegend auf Kuba, aber die Vampire haben europäisch-deutsche Wurzeln. Hauptperson ist Joseph (kurz Pepe) Emmanuel Amadeus, der als Beatnik und trompetender Jazzmusiker ein entspanntes Leben in Kubas Hauptstadt führt ohne zu ahnen, dass er eigentlich ein Vampir ist. Wieso auch: Schließlich kann er sich - obwohl Wesen der Nacht - sorglos auch bei Tag bewegen. Grund ist ein Mittel seines Onkels Professor Werner Amadeus von Dracula mit dem schönen Namen "Vampisol", das dies ermöglicht. Frühere Versuche waren weniger erfolgreich verlaufen und hatten den legendären Urahn Graf Dracula das Leben gekostet. Daraufhin ging der nun geächtete Professor von Düsseldorf nach Havanna ins Exil. Als sich 1932 herumspricht, dass das Mittel doch funktioniert, wollen die beiden konkurrierenden Vampir-Clans in Düsseldorf und Chicago (Bluta Nostra) an die chemische Formel kommen. Pepe, der sich mit seinen Freunden dem Widerstand gegen den Diktator General Machados angeschlossen hatte, sah sich plötzlich nicht nur im Befreiungskampf verwickelt, sondern auch in einem Krieg der Vampire.
Es dauerte bis zum Jahr
2003 bis die Fortsetzung in den kubanischen Kinos lief. In Deutschland bekam man
sie bisher aber nicht zu sehen. Immerhin gibt es jetzt den ersten Teil in der
Reihe "Meisterwerke des Lateinamerikanischen Films" bei "Icestorm"
auch auf DVD (ab 31. Mai 2008). Damit können alle, die ihn im Fernsehen verpasst haben, sich
selbst einen Eindruck von einem Film jenseits des Animations-Mainstreams machen.
Originaltitel |
Vampiros en La Habana! |
| Länder | Kuba, Deutschland, Spanien |
Produktionsfirmen |
Manfred Durniok Produktion; ICAIC - Instituto Cubano de Arte |
Regie, Buch, Design |
Juan Padrón |
Produzent |
Paco Prats |
Drehbuch |
George Miller, John Collee, Judy Morris, Warren Coleman |
Musik |
Rembert Egües |
Jahr |
1985 |
Länge |
71 Min. |
