
Copyright: Aardman Animations, DreamWorks
Animation
Wallace and Gromit: Die Jagd nach dem Riesenkaninchen
Nun also der Spielfilm mit dem schrulligen englischen Herrchen und seinem
cleveren Hund aus der Plastilin-Schmiede von Aardman Animation. In drei witzigen
und mit Preisen dekorierten Kurzfilmen konnte man bisher über den käsesüchtigen Wallace und seine
verrückten Erfindungen schmunzeln und zusehen wie ihn sein treuer, stummer, aber
intelligenter und sensibler Hund
Gromit aus allerlei selbst verursachten Verstrickungen half. Das alles wurde mit unglaublicher Liebe
zum Detail in Knetmasse geformt und perfekt animiert. Nun standen diese beiden
im Mittelpunkt des zweiten Spielfilms der Aardman Studios nach "Hennen rennen".
Wieder hatte man sich mit Dreamworks zusammen getan, um das große Projekt zu
finanzieren, und die Chancen im amerikanischen Markt zu erhöhen. Doch während in
"Hennen rennen" noch liebevoll der "clash of cultures" zwischen Amerika und den
Briten aufs Korn genommen wurde, widmete sich Nick Park und seine Crew jetzt allein
den Schrulligkeiten seiner Landsleute. Das schien die Amerikaner dann weniger zu interessieren, denn trotz Lobeshymnen und Auszeichnungen blieben die
Kinobesuche in den Staaten flau. Prompt tauchten Gerüchte auf, dass die weitere Zusammenarbeit zwischen
den beiden Firmen-Partnern gefährdet sei. Allerdings kam der zunächst noch ebenfalls
von Aardman inspirierte computeranimierte Film "Flutsch und weg" wieder mit der
Hilfe von Dreamworks in die Kinos. Im Januar 2007 war es schließlich soweit und
die Trennung wurde verkündet.
Ganz ohne Computeranimation - die bei Dreamworks entstand - kam aber auch dieser Knetfilm
nicht aus.
Sicherlich ist es kaum möglich zum Beispiel eine Gruppe schwebender Karnickel,
alleine mit Stop-Motion hinzukriegen und die Nahtstellen zwischen handgemachter
Animation und am Computer entstandener Bilder fallen optisch nicht negativ auf,
aber dennoch bleibt ein etwas fader Beigeschmack. Etwas geht so doch von der
Faszination verloren, hier sei alles in mühevoller Kleinarbeit entstanden und
man entdeckt sich dabei, wie man überlegt Computer oder Knete?
Schuld an solchen Gedanken mag auch sein, dass der Plot keinen ganzen Film trägt. Natürlich
weiß man spätestens seit "Shrek" insbesondere bei "Dreamworks", dass witzige Zitate aus Filmklassikern immer
einen Lacher wert sind und die Verwurstung ganzer Filmgenres hat ebenfalls eine
lange Tradition, aber ohne eigene Originalität zündet der Funke dann eben doch nicht.
Während sich die Geschichte liebevoll auf die Marotten der Dorfbewohner konzentrierte,
bleibt
die altbekannte Story von Mr. Jekyll und Mr. Hyde nun als Mr. Gromit und Mr.
Monsterkarnickel als Neuinszenierung nur mäßig lustig. Weitere Zitate aus
Gruselklassikern wie "Frankenstein" oder "King Kong" sind
gleichfalls schon etwas häufig gebracht worden und machen diesen vegetarischen
Horrorfilm (so Nick Park) nur eingeschränkt genießbar..
Jetzt soll hier hier aber nicht nur gemosert werden - wer aber in seinen
bisherigen Filmen so tolle Unterhaltung geboten hat, bei dem wird die Messlatte
doch höher gelegt. Insgesamt lohnt der Film immer
noch den Kauf der DVD. Bestechend bleibt auch diese Mal die tolle Animation, das typische Aardman-Artwork mit seiner Vielzahl von liebenswerten und skurrilen Typen
und die Menge putziger Karnickel. Dazu kommen einige gute Gags - leider etwas rar gesät
-
und eine wilden Verfolgungsjagd im Karussell-Flugzeug, die jedoch beim Kurzfilm "Die Technohose" noch
rasanter (Spielzeugzug!!) gelang. Zudem eine Geschichte, die mit einer ganz netten Ausgangsidee
aufwartet.
Das kleine Dörfchen, in dem unsere beiden Helden leben, wird von einer
Kaninchenplage heimgesucht. Das ist besonders schlimm, da der große
Gemüse-Wettbewerb bevorsteht und jeder Dorfbewohner seine Kürbisse, Tomaten,
Gurken und anderes Grünzeug liebevoll hegt und pflegt. Dank der Erfindungen von
Wallace gelingt dem Team aus Herrchen und Hund tolle Erfolge als
Schädlingsbekämpfer der Firma "Anti-Pesto". Auch die Lady Tottington ("Sie
dürfen mich Totti nennen" - im Original von Helena Bonham Carter gesprochen) ist
begeistert von ihrer humanen Methode der Plagegeisterbeseitigung. Sehr zum Ärger
des griesgrämigen, flintenbehangenen Lord Victor Quartermaine (Originalstimme
Ralph Fiennes), der nicht nur die Hoppler lieber abknallen würde, sondern auch
scharf auf die Gräfin samt Titel ist. Die scheint aber eher Wallace
attraktiv zu finden.
Der Ärger geht aber so richtig los als unser Käseliebhaber mit einem
Gehirnwäscheapparat versucht die Nager von ihrem Appetit von allerlei Grünzeug
zu "heilen". Dabei geraten einige seiner Gehirnzellen in die Maschine und bald
beginnt das Grauen im Dorf.
Aber keine Angst der Film bleibt absolut kindergeeignet, denn das gefräßige
Riesenkaninchen hat nur Riesenappetit auf Gemüse und nicht auf
Fleisch. Es kommen zudem keine Kaninchen zu Schaden wie im Abspann versichert
wird, wo sich prompt einer der herumschwebenden Tierchen den Kopf anschlägt. Für
britischen Humor und schöne kleine Gags ist also wieder gesorgt, aber wie
gesagt, der ganz große Wurf ist es diesmal nicht geworden.
Das sahen allerdings die Kritiker und Filmschaffenden anders wie die
beeindruckende Liste gewonnener Preis beeindruckend darlegt: "Oscar" für den
besten animierten Film, einige "Annies" und den BAFTA, den britischen "Oscar",
um nur die wichtigsten zu nennen. Dennoch spielte er in Amerika lediglich 56
Millionen Dollar ein und blieb damit dort weit hinter den Erwartungen. In
Deutschland wollten den Film knapp über 1,3 Millionen Zuschauer sehen.
Ordentlich, aber nicht überragend.
Also hauptsächlich ein Kritikerfilm und nur was für Animations-Freaks?
Sicherlich nicht, aber die Faszination der letzten Pixar-Filme konnte er nicht
erreichen und sowohl Humor als auch Artwork ist zu speziell, als dass die
Aardman-Filme zu ganz großen Zuschauermagneten werden. Doch das ficht die
Aardman-Truppe nicht an und so sind Überlegungen über ein neues Abenteuer mit
Wallace and Gromit bereits in der Planung.
Originaltitel |
Wallace and Gromit: The Curse of the Were-Rabbit |
Produktionsfirmen |
Aardman Animations, DreamWorks Animation |
| Produzenten | Claire Jennings, Peter Lord, Nick Park, Carla Shelley, David Sproxton |
| Ausführende Produzenten | Cecil Kramer, Michael Rose |
| Regie | Nick Park, Steve Box |
| Buch | Nick Park, Steve Box, Bob Baker, Mark Burton |
| Musik |
Julian Nott, Hans Zimmer |
| Jahr | 2005 |
Länge |
80 Minuten |
| Internetadresse |
movies.uip.de/wallaceandgromit/ |
