
Copyright: Amblin Entertainment, Silver
Screen Partners, Touchstone Pictures
Falsche Spiel mit Roger Rabbit
Im Jahr 1988 brachte der Erfolgsregisseur Robert Zemeckis ("Zurück in
die Zukunft", "Forrest Gump") einen Mischfilm in die Kinos, der nicht nur
technisch neue Standards setzte, sondern auch erst- und wohl auch einmalig
Cartoon-Stars der Blütezeit der Kinocartoons vereinte. In mehr oder weniger
prominenten Rollen tauchten Betty Boop (Fleischer), Woody Woodpecker (Walter
Lantz), Micky Maus und
Donald Duck (Disney) oder Looney Toons wie
Bugs Bunny,
Daffy Duck,
Tweety,
Schweinchen Dick und viele,
viele mehr zusammen in einem Film auf. Eine unglaubliche Leistung all die Rechte
für die Auftritte der Figuren zusammenzubekommen.
Die ersten Versuche des jungen
ausführenden Produzenten bei Disney Mark Sturdivant, den Stoff Studios wie
Warner Brothers, Paramount und Universal schmackhaft zu machen, reichten zurück
bis Anfang der 80er Jahre. Doch er traf auf Ablehnung oder solch horrenden
Lizenzgebühren, dass der Film schon im Frühstadium zu scheitern drohte. Doch Ron
Miller, der damalige Chef der Disney Studios, glaubte weiter an die Story. Als
nächstes wandte er sich daher gleich an drei renommierte Regisseure - Steven
Spielberg, Robert Zemekis und Joe Dante - die zwar die Idee toll fanden, aber
Disney die Realisation nicht zutrauten.
Als im September 1984 Ron Miller durch Will Eisner an der Spitze ersetzt wurde,
schien endgültig das Aus gekommen. Es dauerte dann bis 1986 als Jeffrey
Katzenberg beim Durchstöbern alter Scripts auf das beerdigte Projekt stieß.
Eisner wollte nach einigen kleineren Erfolgen wieder einen spektakulären, großen
Film für Disney und traute dies der Story zu. Dank seiner guten Verbindungen zu
Spielberg sah er sogar eine Möglichkeit, den Film auch zu realisieren. Disney
(Animation) und Spielbergs Amblin (Spezialeffekte gemeinsam mit George Lucas
Industrial Light and Magic)
sollten den Film zusammen produzieren. Unter der Bedingung, dass alle weiteren
Rechte der für den Film geschaffenen Figuren gemeinsam vermarktet würden, ließ
Hollywoods renommiertester Regisseur seine Beziehungen spielen. Tatsächlich kam
der Film dann mit kräftig überzogenem Budget (über 70 Millionen Dollar) und
entstanden unter reichlich Zeitdruck im Juni 1988 in die amerikanischen Kinos.
Die Einspielergebnisse rechtfertigten dann die Mühen: In den USA waren es über
150 Millionen Dollar und weltweit rund 175 Millionen Dollar.
Aber Hektik oder Schlamperei sieht man dem Film nicht an. Im Gegenteil noch nie
gab es auf der Leinwand ein so perfektes Zusammenspiel von Realschauspielern und
Animation zu sehen.
Trickfiguren und Schauspieler zusammen agieren zu lassen reicht bis in die
Kindertage der Animation zurück und wurde unter anderem Disney in den
erfolgreichen "Alice"-Cartoons eingesetzt. Seitdem gab es auch immer
wieder Spielfilme wie Disneys "Song of the South" oder "Mary Poppins", Ralph Bakshis "Cool World", "Space Jam" mit den Looney
Toons oder "Monkey Bone" von Henry Selick - um nur einige zu nennen - die Trick
und Reales mischten. Doch an Perfektion, Witz und Tempo bleibt "Roger Rabbit"
bisher unerreicht. Zeichnerisch (ohne Computeranimation) gekonnt nachträglich in
die reale Handlung eingebaut gab es jede Menge Interaktion sowohl mit unbelebten
Gegenständen als auch mit Menschen. Herausragend hier vor allem der britische
Schauspieler Brite Bob Hoskins, der die meisten Szenen ohne reale Kollegen
auskommen musste.
Zum Auftakt der Films gibt es zunächst einen reinen Cartoon ("Somethin's
Cookin' ) von Maroon Cartoon, der gleich zeigt
mit welcher Rasanz und welchem Humor im Film zu rechnen ist. Ganz im chaotisch,
hektischen Stil der Warner- oder Tom und Jerry-Kurzfilme samt einer Prise
Anarchie von Tex Avery wird der Hase Roger Rabbit in voller Action gezeigt. Doch
mit den Ende des Films hört man das Cut des Regisseurs, das niedliche Baby Herman,
um das es im Film geht, verwandelt sich in einen Zigarre rauchenden Stinkstiefel
und Roger kriegt Ärger, weil Vöglein statt Sternchen um seinen Kopf drehen. Wieder wurde ein Film mit Toons erfolgreich abgedreht.
Doch über den chaotischen Hasen mit der sexy Frau Jessica Rabbit ballt sich ein
schweres Unheil zusammen, denn ihm wird der Mord an
Marvin Acme angehängt. In seiner Not wendet er sich an einen
abgehalfterten menschlichen Detektiv
Eddie
Valiant
(Bob Hoskins in typischer Philip Marlowe/Sam Spade Manier), der jedoch
Toons hasst, seitdem sein Bruder Ted von einem getötet wurde. Widerwillig hilft
er schließlich doch Roger.
Angesiedelt ist diese Persiflage auf den Film Noir 1947 in Los Angeles und Toontown, das von den
Cartoons bewohnt wird und in dem es völlig anarchistisch zugeht. Wie sich
herausstellt ist die gesamte Stadt von der totalen Zerstörung durch den
finsteren Judge Doom bedroht und schließlich muss Eddie seine Abneigung gegen
die anstrengenden Trickfiguren ablegen, um sie vor der Auslöschung zu bewahren..
Nicht nur Zuschauer und Kritiker waren sich einig, etwas besonderes gesehen
zu haben, auch Hollywood spendierte 1989 gleich drei Oscars (Tonschnitt,
Filmschnitt und visuelle Effekte) sowie für den Trick-Regisseur Richard Williams
einen Spezial-Oscar (Special Achievement Award). Dazu gab es in England den
BAFTA für die Spezial-Effekte oder in Deutschland die goldene Leinwand - um nur
einige zu nennen.
Es gab zwar noch einige Kurzfilme, aber leider kam es nie zu der erhofften
Fortsetzung des Films:
• Tummy Troubles (1989) als Vorfilm von "Liebling, ich habe die Kinder
geschrumpft"
• Roller-Coaster Rabbit (1990) als Vorfilm von "Dick Tracy"
• Trail Mix-Up (1993) als Vorfilm von "A Far Off Place"
• Hare in My Soup (1991) wurde aber nicht beendet und veröffentlicht
Die Rechte-Probleme sind aber wie beim ersten Mal sicherlich das Haupthindernis.
Immerhin kam der Regisseur Robert Zemeckis 2005 mit einem weiteren technisch
ehrgeizigen Animationsfilm "Der
Polarexpress" in die Kinos.
Originaltitel |
Who Framed Roger Rabbit |
Produktionsfirma |
Amblin Entertainment, Silver Screen Partners, Touchstone Pictures |
| Produzenten | Frank Marshall, Robert Watts |
| Ausführende Produzenten | Kathleen Kennedy, Steven Spielberg |
| Regie | Robert Zemeckis (Real), Richard Williams (Trick) |
| Vorlage | Gary Wolf "Who Censored Roger Rabbit" |
| Buch | Jeffrey Price, Peter S. Seaman, Gary K. Wolf |
| Musik | Alan Silvestri, Joe McCoy |
| Schauspieler | Bob Hoskins; Christopher Lloyd u.a. |
| Jahr | 1988 |
Länge |
100 Minuten |
| Internetadresse |
www.filmsite.org/whof.html www-static.cc.gatech.edu/~jimmyd/roger-rabbit/old-index.html |
