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Alice im
Wunderland
Nach einem typischen Disney-Märchenstoff "Cinderella" folgte im
Jahre 1951 ein eher untypischer Film aus den berühmten Trickstudios mit den
Mäuseohren. Zwar stand erneut ein junges Mädchen im Mittelpunkt, aber es lebt
diesmal nicht in der fantastischen Welt der Märchen, sondern entsprang der
Fantasie des Mathematikers und Schriftstellers Lewis Carroll. Er hatte 1865 ein
Buch verfasst, das schon bald weltweit zu einem der ganz großen
Kinderbuch-Klassiker avancierte. Die abenteuerlich-fantastische Geschichte vom
Mädchen Alice, die eines schönen Tages im Garten einschläft und dabei einen
ziemlich verrückten Traum hat, begeisterte nicht nur die Kinder, sondern war
auch der ideale Stoff für einen Zeichentrickfilm. Hier lassen sich ja
ebenfalls die Grenzen der Logik problemlos aufheben und es können ohne teuere
Spezialeffekte Phantasiewelten geschaffen werden. Dafür bietet insbesondere
"Alice im Wunderland" eine Reihe von Gelegenheiten.
Zunächst ist da das hektische, weiße Kaninchen, dem die neugierige Alice in
seinen Bau folgt, der sich als Tür in eine völlig andere Welt erweist. Dank
eines Schrumpf-Trankes "Trink Mich!" kann das abenteuerlustige
Mädchen die neue Umgebung erkunden. Zunächst trifft sie auf die verspielten
Eierköpfe Dideldum und Dideldei, es folgen sprechende Blumen ("Fantasia" lässt grüßen),
verrückte Vögel im Stil von Tex
Avery ("The Cat That Hated People") und eine Buchstaben rauchende
Raupe. Schließlich trifft wieder auf das weiße Kaninchen, das auf einer völlig
durchgedrehten Geburtstagsparty den "Nicht-Geburtstag" des verrückten
Hutmachers feiert. Nachdem sie diese Feier mehr oder weniger unbeschadet
überstanden hat, trifft sie auf die Grinsekatze, die sich nach Belieben
unsichtbar machen kann und sich als unsicherer Ratgeber erweist.
Auf ihrer Suche nach dem Weg zurück in ihre Realität landet sie schließlich am
Hof der grausamen und aufbrausenden Herzkönigin. Sie herrscht über eine
Heerschar von Karten und einem zu klein geratenen König, der völlig unter ihrer
Fuchtel steht. Neben Wutanfällen, die mit dem zornigen "Köpft ihn!!!"
einhergehen, spielt sie gerne Crocket - natürlich nur wenn sie auch gewinnt.
Als Schläger dienen Flamingos und ein Murmeltier ist der Ball. Die plötzlich
auftauchende Grinsekatze spielt jedoch der Königin einen Streich, der prompt
Alice zur Last gelegt wird. Die anschließende Gerichtsverhandlung ist eine
absurde Farce, bei der es aber buchstäblich um den Kopf der Angeklagten geht.
Doch dank eines Stückchen von einem Pilz wird sie wieder groß und kann fliehen.
In dem allgemeinen Chaos schreckt sie dann aus ihrem Traum auf.
Insgesamt ein herrlicher Stoff, der deshalb immer wieder gerne verfilmt wurde,
aber nicht unbedingt eine Geschichte, die nach einem typischen Disney klingt.
Tatsächlich fehlt diesem Film das Flair, das die frühen Trick-Klassiker von
Disney ausmachte. Lediglich das Mädchen Alice kommt noch ganz hübsch daher,
aber die anderen Figuren besitzen nicht den üblichen Niedlichkeitsfaktor. Die
Geschichte selbst hat nur einen dünnen roten Faden und besteht stattdessen aus
einer Aneinanderreihung verrückter Episoden und Geschehnisse, die mit einer
Menge Gesang untermalt werden.
Die drei Regisseure Clyde Geronomi, Hamilton Luske und Wilfred Jackson
haben sich vor allem auf die Inszenierung der verrückten Handlung konzentriert.
Das
geschieht mit vielen Farben, absurden Figuren und surrealen Geschehnissen, die
einen fast vermuten lassen, dass die Macher die Hippie-Drogenzeit erahnt haben.
Natürlich bleibt alles kindgerecht, aber nur einige wenige Szenen und Figuren
haften länger im Gedächtnis. Die Identifikation mit einer Figur findet nicht so
recht statt, sondern man wartet vor allem darauf, was nun als nächstes
verrücktes folgt.
Dennoch ist diese Disney-Adaption immer noch das Maß, an dem sich die anderen
Verfilmungen messen lassen müssen. Adaptionen wie zum Beispiel der japanische Trickserie aus den
80er Jahren, gelang es bisher noch weniger die Geschichten von Lewis Carroll
umzusetzen. So bleibt "Alice" sicherlich nicht als wirklich
gelungener Disney-Film in Erinnerung, aber doch zumindest als Trickfilm mit
einigen starken optischen Szenen.
Übrigens waren die "Alice Comedies" (1924-27) eine der ersten
Trickserien vom jungen Walt Disney, der in diesen schwarz-weiss Cartoons das
reale Mädchen mit gezeichneten Tieren verschiedene Geschichten erleben ließ.
Seitdem plante er immer wieder, den Stoff erneut zu verfilmen. Zunächst als
Realfilm und dann ab 1939 als Animationsfilm. Für die Musik gab es zwar eine Oscar-Nominierung,
aber kommerziell war der Film bei Kosten von 3 Millionen Dollar und rund 5
Jahren Produktionszeit ein Flop. Deshalb lief er bereits 1954 als erster
Disney-Kinofilm überhaupt im Fernsehen.
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Originaltitel |
Alice in Wonderland |
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Produktionsfirma |
Walt
Disney Pictures |
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Produzent |
Walt Disney |
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Produktionsleiter |
Ben Sharpsteen |
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Regie |
Clyde
Geronomi, Hamilton Luske, Wilfred Jackson |
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Story,
Drehbuch |
Winston
Hibler, Ted Sears, Bill Peet und andere |
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nach dem Original von |
Lewis
Carroll |
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Musik |
Bill
Hilliard, Sammy Fain, Mack David, Al Hoffman, Jerry Livingston |
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Jahr |
1951 |
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Länge |
75 Minuten |
