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Atlantis - Das Geheimnis der verlorenen Stadt
Die Trickfilme aus den berühmten Disney-Studios befinden sich in einer
wirklich tiefen Krise. Ohne neue Konzepte und Ideen startet man ins 21.
Jahrhundert. Zunächst gelang mit "Ein Königreich für ein Lama" nach viel Hickhack
doch noch ein nicht mehr erwartet guter Film und akzeptabler Kassenerfolg. Mit
"Atlantis -Das Geheimnis der verlorenen Stadt" wird dies definitiv
nicht zu wiederholen sein.
Im Jahr des hundertsten Geburtstags von Walt Disney versucht sich der
Maus-Konzern an einem Action-Fantasy Spektakel im Stil von "Indiana
Jones" und verabschiedet sich erstmals komplett von dem Publikum, das
"Disney" letztendlich groß gemacht hat - den Kindern. Und
gleichzeitig verabschiedet man sich damit auch von Charme, Witz und
Originalität. An all dem mangelt es nämlich "Atlantis" komplett.
Schon in den 80er Jahren gab es eine Phase verzweifelten herumexperimentierens,
als der "Zauber von Disney" zunehmend verblasste. Absoluter Tiefpunkt
war 1985 der Fantasy-Film "Taran und der Zauberkessel". Willkommen -
im Jahr 2001 wird hier ein echter Konkurrent für den Titel "schlechtester
Disney-Trickfilm aller Zeiten" abgeliefert. Wenn man schon nicht aus den
Fehlern der eigenen Vergangenheit lernen konnte, hätten Flops wie "El Dorado" - hier ging es
ebenfalls um verlorene, mythische Königreiche - oder "Heavy Metal" bzw. "Titan A.E." abschreckend
genug sein müssen. Aber nein, gerade Disney glaubte im Zeitalter der perfekten
Mischung aus Computeranimation und Realfilm, einen Trickfilm machen zu müssen,
den man ebenso gut mit wirklichen Schauspielern hätte besser verwirklichen
können. Wer, bitteschön, will so etwas als reinen Trickfilm sehen?
Der Beginn des Films lässt zunächst die Vorfreude auf einen guten Film
aufkommen. In einer dramatischen Szene wird gezeigt wie das mächtige Inselreich
Atlantis vom Meer verschlungen wird. Dann ein Zeitsprung in das Jahr 1916. Hier
doziert der junge Linguist und Kartograph Milo Thatch vor einem imaginären
Publikum über den Mythos Atlantis. Dieser typische Bücherwurm darf aber im
Institut lediglich die Heizung regulieren. Seine geplante Expedition nach dem
verlorenen Königreich wird natürlich als reine Spinnerei abgetan - schon sein
Großvater hatte sich an diesen Geheimnis seinen wissenschaftlichen Ruf
ruiniert. Aber gerade als Milo am Tiefpunkt angelangt scheint, taucht ein
ehemaliger Weggefährte seines Großvaters auf. Er besitzt nicht nur ein Buch,
das den Weg nach Atlantis weist, sondern rüstet mit seinen großzügigen
Geldmitteln eine multikulturelle, verwegene Truppe aus, die schon seinen
Großvater unterstützte. Mit einem U-Boot geht es Richtung Island.
Hier trifft man jedoch rasch auf einen riesigen Roboter-Skorpion, der das
U-Boot platt macht. Nur in einigen Beibooten kann sich ein kleiner Teil der
Expeditionsteilnehmer in eine Unterwasserhöhle retten. Und von nun an wird es
langweilig. Man zuckelt durch die Unterwelt und hat die Chance die
Lebensgeschichte der zusammen gewürfelten Truppe kurz kennenzulernen - eine
Ansammlung von Klischees. Statt niedlicher Tiere nun also verschrobene Menschen
angeführt von einem knallharten Söldner und seiner kühlen Lady, die komplett
aus "Aeon Flux" abgekupfert wurde.
Schließlich findet man Atlantis, das sich in schleichendem Zerfall befindet.
Die Expeditionsgefährten stellen sich tatsächlich als geldgierige Bösewichter
heraus, einige aber wieder auch nicht. Plötzlich rennen die Soldaten mit
Gasmasken aus dem Ersten Weltkrieg rum - sieht unheimlich aus, macht aber
überhaupt keinen Sinn. Das Geheimnis des Untergangs von Atlantis wird mit viel
spirituellem Brimbamborium gelöst und der schleichende Zerfall und die
endgültige Zerstörung kann aufgehalten werden. Alles vermengt in einem Strudel
aus Action, Fantasy und Esoterik - und all das lässt den Zuschauer ziemlich
kalt.
Zwar gelingen immer wieder beeindruckende Bilder vom Inselstaat Atlantis, aber
auch sie reichen bei weitem nicht aus, dass man die Faszination, die einen Disney-Film
sonst ausmacht, verspüren kann. Insbesondere fand ich die Charakterzeichnungen
des bekannten Comic-Künstlers Mike Mignola ("Hellboy") für die große
Leinwand völlig ungeeignet. Harte, kantige Zeichnungen mit dicken Strichen
(achtet mal auf die hässlichen quadratischen Finger!) passen einfach besser auf
einen kleinen TV-Schirm. Vom Charme und Witz bleiben sowieso nur kleine
Restspuren erhalten.
Zwar wird "Atlantis" den "Disney"-Konzern nicht gleich mit
in den Untergang reißen, aber der Film legte einen der schwächsten Kinostarts
eines Disney-Trickfilms in den USA hin - in Deutschland waren es nur knapp über
1 Million Zuschauer. Und bereits einige Zeit später mussten 500 Mitarbeiter der
Studios gehen, für den Rest gab es Gehaltskürzungen. Kritischen Stimmen
bemängeln, dass Fehlen einer ordnenden Hand wie die von Katzenberg (jetzt
"Dreamworks"), der vor seinem Rausschmiss für ordentlich erzählte
Filme gesorgt hatte. Es scheint, dass zur Zeit andere Firmen wie
"Pixar" oder "Dreamworks" die besseren Trickfilme machen -
hoffen wir, dass man bei "Disney" nicht ganz die Kunst ordentliche
Animationsfilme zu produzieren verloren hat.
Noch eine Warnung an die Eltern! Für etwas sensiblere Kinder ist der Film
völlig ungeeignet. Neben mir waren Eltern eifrig bemüht, ihre lieben Kleinen
immer wieder zu beruhigen - Alpträume sind vorprogrammiert und die Eltern
werden es sich zweimal überlegen, den nächsten Disney zu besuchen.
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Originaltitel |
Atlantis:
The Lost Empire |
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Produktionsfirma |
Walt Disney Pictures |
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Produzent |
Don Hahn |
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Associate
Producer |
Kendra
Halland |
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Regie |
Gary
Trousdale, Kirk Wise |
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Story,
Drehbuch |
Tab
Murphy, Gary Trousdale, Kirk Wise, Bryce & Jackie Zabel |
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Musik |
James Newton Howard, Diane Warren; Donovan/No Angels (Abspann) |
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Jahr |
2001 |
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Länge |
95 Minuten |
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