
Copyright: Disney
Die Bärenbrüder
Als der 44. abendfüllende Disney-Film in die
deutschen Kinos kam, stand es bereits fest: Die Tage des handgezeichneten Trickfilms
waren beim Mäusekonzern gezählt. Zu viele teure Flops wie "Der Schatzplanet" oder
"Atlantis" standen
Megasellern der Studios Pixar oder Dreamworks ("Shrek") gegenüber - alles computeranimierte
Meisterwerke mit Millionengewinn. Also erklärte das Management bei Disney den
traditionellen Trickfilm - zumindest im Kino - für tot und beschloss nur noch
die beiden in der Produktion befindlichen Filme abzuschließen.
Einer davon ist die Geschichte um den in einen Bären verwandelten Indianer
Kenai. Der Film war ein weiterer finanzieller Misserfolg in den USA mit 85
Millionen Dollar, brachte dagegen in Deutschland mit 3,4 Millionen
Zuschauern aber doch noch ein achtbares Einspielergebnis. Es scheint als sei in
Deutschland die Rückkehr zur typischen Trickfilm-Zielgruppe der Kinder, und im
Schlepptau davon der Eltern, eher honoriert worden. Nach den finanziell desaströsen
Experimenten mit Weltraum-abenteuern, anarchistischen Aliens und der
fantastischen Suche nach Atlantis kehrte man nun wieder zu sprechenden,
niedlichen Tieren und - leider - der Musik von Phil Collins zurück, der schon
"Tarzan" begleiten
durfte.
Also eine deutliche Kehrtwende zu den Rezepten, die Disney einst groß gemacht
haben, aber inzwischen - vor allem in Amerika - nicht mehr so recht zu
funktionieren scheinen. Vielmehr erweckt der Unterhaltungskonzern den Eindruck,
beim Animationsfilm noch kein Konzept für das 21. Jahrhundert gefunden zu
haben, um wieder die Vorfreude zu wecken, die früher ein neuer Disney ausgelöst
hatte. Spätestens mit "Findet
Nemo" übernahm diese Rolle die Firma Pixar.
Allerdings ist die "Bärenbrüder" kein schlechter Film, sondern
schafft durchaus die Magie und Faszination von Hand gezeichneter Animation
erneut zu wecken. Insbesondere nachdem Kenai in einen Bären verwandelt wurde
und man von der Menschen- in die Tierebene wechselt gelingt dies. Davor erhält
der Kinobesucher einen Einblick in das Leben vor 10.000 Jahren in eine Zeit als
sich die Gletscher zurückzogen und riesige Mammuts durch die Steppen streiften.
In Nordamerika gingen Jäger und Sammler mit Speer und Bogen auf die Suche nach
Nahrung. Das sicherlich harte Leben wird natürlich mit den nicht nur bei Disney
üblichen Glorifizierungen einer natürlicheren Lebensweise dargestellt.
In einem Stamm lebt der Junge Kenai mit seinen beiden Brüdern. Sein Totem ist
der Bär - das Symbol für Liebe zwischen Tier und Mensch. Nicht gerade ein
Zeichen für einen jungen Mann, der sich viel lieber als unerschrockenen,
mutigen Jäger sieht. Als dann noch eines Tages ein Bär den mühsam gefangenen
Fisch stiehlt und das Fangnetz zerstört, steht ihm der Sinn weniger nach Liebe,
sondern vielmehr danach dem vorwitzigen Meister Petz zu zeigen, wer der
Stärkere ist. In einer waghalsigen Aktion tritt er gegen den Bären an. Doch im
Kampf muss dann stets ausgleichende Sitka, der ihm mit seinem Bruder
Denahi gefolgt ist, sein Leben lassen. Kenai hat seine Lektion immer noch nicht
gelernt und schwört nun erst recht Rache. In einem dramatischen Kampf gelingt
es ihm tatsächlich, den Bären zu stellen und zu töten. Jetzt kommt ein wenig
prähistorische Mystik mit Naturgeistern ins Spiel, denn Sitka taucht im
Polarlicht auf und verwandelt seinen kleinen Bruder in einen Bären, damit er
endlich seine Bestimmung kennen lernt. Dumm nur, dass jetzt wiederum Denahi
glaubt, er sei der Bär, der beide Brüder auf dem Gewissen hätte.
Mit der Verwandlung wandelt sich auch der Film. Und dies nicht nur technisch,
denn vom Standartformat wird zum Cinemascope-Extrembreitbild gewechselt, um
Kenais neue Sinneindrücke auch optisch zu vermitteln. Auch inhaltlich findet
ein Wandel statt. Hatte der Zuschauer zuvor den Eindruck in einem der neueren
Disney-Filme mit menschlichen Protagonisten zu sein, kommt jetzt die sprechende
Tierwelt mit ihren oft liebenswerten Charakteren an die Reihe. Kenai kann sich
als Bär zwar nicht mehr mit den Menschen verständigen, aber dafür mit den
Tieren. Seine erste Begegnung mit zwei skandinavischen Elchen namens Benny und
Björn, die als verkappte "Dick und Doof" die Pausenclowns geben,
bringen ihm die Erkenntnis, dass es im Tierreich ziemlich seltsame Zeitgenossen
gibt.
Kenai begibt sich nun auf eine gefährliche Wanderung zu dem "Berg, wo das
Licht die Erde berührt“, denn nur dort so hat er von der alten Schamanin Tanana
erfahren, kann er sich zurückverwandeln. Verfolgt von seinem rachsüchtigen
Bruder, schließen sich Kenai neben den beiden Elchen auch der junge Grizzly
Koda an, der seine Mutter sucht. Zunächst nur widerwillig, dann aber mit
wachsender Zuneigung lernt er den stets quasselnden "kleinen Bruder"
lieben und andere Lebewesen zu respektieren.
Leider werden diese zum Teil sehr witzigen, anrührenden und niedlichen Szenen
immer wieder von der nichts sagenden bis nervigen Musik von Phil Collins
gestört, der es sich leider nicht nehmen ließ, bei einigen Songs auf Deutsch
durch die Texte zu stolpern. Ein weiterer Schwachpunkt sind die flachen
Witzchen von Benny und Björn, die einen nur daran denken lassen, dass der
dänische Koch der Muppets aus den beiden hätte lecker Ragout bereiten können.
Trotz dieser und einiger weiterer kleinerer Schwächen wie dem üblichen
kitschigen Ureinwohner Esoterik-Kram bei einer vorhersehbaren Story mit
original Disney-Moral-Stempel, ist der Film durchaus sehenswert mit starken und
anrührenden Momenten. Das alte Disney-Feeling mit liebenswerten und toll
animierten Tiercharakteren ist immer noch da und schon jetzt beginnt man mit
einiger Wehmut, dem gut gemachten traditionellem Zeichentrick etwas hinterher
zu trauern.
|
Originaltitel |
Brother Bear |
|
Produktionsfirma |
Walt Disney Pictures |
|
Produzent |
Chuck Williams |
|
Regie |
Aaron Blaise, Bob Walker |
|
Drehbuch |
Tab
Murphy, Lorne Cameron, David Hoselton, Steve Bencich, |
|
Musik |
Mark Mancina, Phil Collins |
|
Jahr |
2004 |
|
Länge |
87 Minuten |
|
Internetseite |
