Barbie
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Barbie in "Der Nussknacker"

Zum Ankurbeln des Verkaufs, eingeführte Spielzeug-Figuren auch in Trickserien und -filmen auftreten zu lassen hat eine lange Tradition: "Emily Erdbeer", "Die Glücksbärchies", "Action Man" oder "Max Steel". Bei neueren Produkten wie beispielsweise den "Pokémon" werden schwere Geschütze aufgefahren und die Werbebotschaft prasselt auf allen Kanälen gleichzeitig auf die jugendlichen Konsumenten ein. Dazu zählt in der Regel eben auch eine Trickserie. Mit dem Trickfilm zu "Barbie" verhält es sich aber etwas anders.

Zunächst handelt es sich nicht um die übliche TV-Serie, sondern eher um ein TV-Special bzw. einen Videofilm. Zum anderen hat man nicht irgendeine neue Story entwickelt, sondern sich bei einem beliebten Märchen bzw. eher bei noch berühmteren Ballett-Interpretation dieses Märchens bedient. Sicherlich hat schon jeder einmal zur Weihnachtszeit das Ballett zu Tschaikowskis "Nussknacker-Suite" zumindest im Fernsehen gesehen - denn an Karten für das Ballett kommt man bei diesem klassischen Stück kaum ran.

Jedenfalls entstand mit dieser Vorlage, so finde ich, ein Film, der mit überraschend wenig Product-Placement auskommt und der sehr gut als eigenständige Produktion stehen kann. Nicht zuletzt trägt dazu auch die aufwendig produzierte moderne 3D-Computeranimation bei. Mit ihr kann die Geschmeidigkeit und Anmut des Balletts zumindest ansatzweise dargestellt werden. Natürlich wirken die Menschen auch bei dieser Computeranimation immer noch etwas puppenhaft starr und alles kommt gelackt-bonbonfarben daher. Aber schließlich sollen nicht verhehlt werden , dass der Film helfen soll noch mehr Barbie-Puppen zu verkaufen.

Es ist am Weihnachtsabend als die Geschwister Clara (= Barbie) und ihr Bruder Tom mit ihren Großeltern feiern. Von ihrer Tante bekommt das Mädchen einen hölzernen Nussknacker geschenkt. Als Clara einschläft, träumt sie davon wie die Spielzeuge plötzlich zum Leben erwachen und sie wird in ein spannendes Abenteuer gerissen. Der böse Mäusekönig hatte den Nussknacker, der tatsächlich ein Prinz ist, verwandelt und die Macht an sich gerissen. Dies war ihm gelungen, da Prinz Eric (= Ken) selbst die Verantwortung des Herrscheramtes nicht übernehmen wollte.

Als Clara nun helfen will, wird sie vom bösen Mäusekönig auf Spielzeuggröße geschrumpft. Nur die Zuckerfee ist in der Lage, ihr die ursprüngliche Größe wiederzugeben. Bei der Suche nach der Fee finden sich mit Oberst Karamell oder Major Pfefferminze weitere Helfer, die die tapfere Clara dringend benötigt, denn natürlich möchte der fiese Herrscher und seine Helfer ihre Rückverwandlung verhindern.

Wirklich überrascht hat mich, dass bei modernster Animationstechnik ein inhaltlich ziemlich nostalgisch anmutenden Film entstand. Ballett und die klassische Musik von Tschaikowski sind sicherlich nicht das, was man bei einem "Barbie-Film" unbedingt erwartet hätte. Eventuell werden deshalb hier und da die Eltern sogar mehr Gefallen an ihm haben als die (meist weiblichen) jungen Zuschauer – allerdings ist die Musik und die Geschichte zeitlos schön und weckt das Interesse am Original.
Das eher nostalgische Flair mag auch damit zusammenhängen, dass die Barbie-Puppe kurz vor der Entstehung des Films ihr 40jähriges Jubiläum gefeiert hatte. Natürlich gab es auch die entsprechenden Produkte zum Film: Barbie als Clara und der Prinz als Ken standen in den Kaufhausregalen. Dennoch  - hier wiederhole ich mich gerne - kann man sich den Film auch anschauen, ohne zur typischen Barbie-Käufergruppe zu gehören.

Trotz zum Teil heftiger Kritikerschelte "zuckersüß", "Kitsch", "reiner Werbefilm", "aseptisch" oder "bonbonfarben" gab es 2001 den "Video Premiere Award" in der Kategorie "Best Animated Video Premiere Movie". Und dann war noch das unter chronischen Geldmangel leitende "English National Ballet" (ENB), das auf Eintrittskarten für die Weihnachtsvorstellung des "Nussknacker" mit einem Barbie-Bild warb.

Bislang folgten sechs Fortsetzungen und dank großem Verkaufserfolg ist ein Ende erst einmal nicht abzusehen.

Originaltitel

Barbie in "The Nutcracker"

Produktionsfirma

Mattel, Inc.; Family Home Entertainment; Mainframe Entertainment

Regie

Owen Hurley

Produzenten

Jesyca C. Durchin; Jennifer Twiner McCarron; Rob Hudnut; Ian Pearson; Jennifer Twiner McCarron

Drehbuch

Linda Engelsiepen; Hilary Hinkle; Rob Hudnut  nach E.T.A. Hoffman

Jahr

2001

Länge

77 Minuten

Internetseite

www.barbie.com/Nutcracker/ 

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