
Copyright: Rankin/Bass - ITC
Das letzte Einhorn
When the last eagle flies over the last crumbling mountain
And the last lion roars at the last dusty fountain
In the shadow of the forest, though she may be old and worn
They will stare unbelieving at the last unicorn
I'm alive, I'm alive
(America/Jimmy Webb - The Last Unicorn)
Die Zahl animierter Kinofilme mit phantastisch-poetischen
Inhalten ist überschaubar. In Vordergrund steht bei den meisten Trickfilmen
immer noch Action und/oder Spaß für ein eher jüngeres oder jugendliches
Publikum. Sich an die Verfilmung eines – zwar sehr erfolgreichen -
Fantasy-Romans zu machen, bei dem das märchenhaft-poetische und nicht Schwert
schwingende Helden oder unheimliche Geister und Dämonen im Vordergrund stehen,
stellte daher ein nicht unerhebliches Risiko dar. Inzwischen ist hier der Boden
dank der internationalen Erfolge von Hayao Miyazaki wie "Chihiros
Reise ins Zauberland" besser bereitet.
Im Jahr 1982 sah die Situation noch etwas anders und so überrascht es dann auch
nicht, dass sich nicht eines der großen Studios an die Geschichte heran wagte.
Stattdessen nahm sich die Firma ITC und zwei alte Regie-Hasen, Arthur Rankin jr.
sowie Jules Bass, die vor allem als Produzenten für TV-Trickfilme („Wind in den
Weiden“ und Puppentrick-Specials wie „The Year Without Santa Claus“) bekannt
sind, des Stoffes an. Immerhin nach der Drehbuch-Vorlage vom Autor Peter S.
Beagle selbst, was er sich nicht hatte nehmen lassen. Dazu kamen noch die
bekannten Stimmen von Schauspielern wie Mia Farrow, Jeff Bridges oder
Christopher Lee.
Die Animation erfolgte hauptsächlich in Japan, um die Kosten gering zu halten -
daher wird von einigen der Film auch zu den Anime gezählt, was bei der gesamten
Gestaltung durchaus eine gewisse Berechtigung hat.
Der Film hätte also als ambitioniertes Werk schnell im Fernsehen oder als
Billig-Video enden können, schaffte aber - trotz eher verhaltener Kritiken -
sich ähnlich wie das Buch, einen treuen und begeisterten Fankreis über die Jahre
hinweg zu schaffen. Optisch ist der Film tatsächlich bestenfalls Durchschnitt,
aber nicht zuletzt dank der stimmungsvollen Musik, sehr guter Synchronstimmen
und einer anrührenden Geschichte gelingt es doch ein Flair zu erzeugen, das
nicht nur romantisch veranlagte Mädchen in den Bann ziehen kann. Mann/ Junge
muss sich allerdings doch auf einige Dinge einlassen wollen, die nahe an der
Kitschgrenze entlang kratzen.
In einem Zauberwald lebt seit Urzeiten friedlich ein
wunderschönes weißes Einhorn in Einklang mit den anderen Tieren des Waldes.
Diese Idylle endet, als es erfährt, dass es das letzte Einhorn auf der Welt ist,
da ein unheimlicher roter Stier alle anderen Einhörner gejagt und vertrieben
haben soll. Es macht sich nun auf die Suche nach seinen verschwundenen
Artgenossen und findet dabei in den unerfahrenen und etwas ungeschickten
Zauberer Schmendrick einen treuen, menschlichen Weggefährten. Zunächst stoßen
sie auf die alte Hexe Mommy Fortuna, die das edle Tier für ihren Wanderzirkus
einsperrt. Mit Hilfe des Zauberers und der grantigen Molly Grue, die schon immer ein Einhorn
sehen wollte, gelingt aber die Flucht und so gelangen sie zum Schloss des alten
und verbitterten König Haggard. Er wird genial von Christopher Lee ("Dracula,
Herr der Ringe und viele andere andere) gesprochen, der einfach eine super
Stimme hat und so gut deutsch kann, dass er auch den deutschen Part übernommen
hat.
Der König hat alle Einhörner in das Meer jagen lassen, um sich an ihren Anblick
erfreuen zu können. Zum Glück ist sein Adoptivsohn Prinz Lir nicht so hartherzig
wie sein Vater und so verliebt er sich in das seltsame Lady Amalthea, die den
Zauberer und Molly begleitet. Es ist das verwandelte Einhorn, das nur in einer
menschlichen Hülle dem gefährlichen Stier entgehen kann. Doch allzu lange darf
sie nicht in dieser Form verweilen, ohne ihr altes Ich zu verlieren. Aber neben
neuen, menschlichen Gefühlen wie der Liebe muss sie auch ihre Furcht überwinden
sich dem mächtigen roten Stier stellen.
Die ruhigen Momente im Film überwiegen und alle Personen machen eine große
Wandlung durch, die sie sicherlich für immer verändern wird. Zwar gibt es auch
ein glückliches Ende, aber eines mit Haken und Ösen und nicht jeder ist wirklich
glücklich und völlig zufrieden. So steckt bei allem märchenhaften Flair auch so
einiges an Lehrhaften und Besinnlichen in diesem etwas anderen Zeichentrickfilm.
Und wie es scheint, ist die Geschichte der Verfilmungen des Stoffes noch nicht
beendet, denn nun ist eine
Umsetzung
mit realen Schauspielern und einem am Computer generierten Einhorn im
Gespräch.
Originaltitel |
The Last Unicorn |
Produktionsfirmen |
Incorporated Television Company (ITC) Rankin/Bass Productions |
Produzenten |
Jules Bass, Arthur Rankin Jr. |
| Ausführende Produzenten | Martin Starger |
Regie |
Jules Bass, Arthur Rankin Jr. |
Drehbuch |
Peter S. Beagle nach seinem Roman von 1968 |
Musik |
Jimmy Webb |
Jahr |
1982 |
Länge |
92 Minuten |
Internetadressen |
www.magicfields.com/ger/guestind.htm |
