
Copyright: Ub Iwerks, MGM
Flip der Frosch
Flip the Frog führt uns zurück in die frühen Jahre der Animation als noch
Heerscharen von grotesk zappelnden Tieren mit überlangen Gliedmaßen und
Extremitäten die Leinwände bevölkerten. Mäuse, Katzen, Hunde, Schweine und was
sonst noch die einheimischen Haustier- und Wildtierwelt hergab tanzte wild
herum, sang mit quäkender Stimme und machte lustige Streiche - dabei stets von
einem schepprig spielenden Orchestersound begleitet und alles natürlich noch in
schwarz-weiss. So manche Grundlage und Technik für animierte Kurzfilme, die noch
heute gilt, wurde in dieser Zeit gelegt. So konnten es sich schon damals nur
einige große, finanzstarke Studios leisten, die zeit- und kostenintensiven
lustigen Vorfilme für die Kinos zu produzieren. Namen wie Max Fleischer, Paul Terry
und natürlich Walt Disney waren die großen Namen dieser Zeit.
Etwas in Vergessenheit ist dagegen Ub Iwerks geraten, der Kennern der Materie
als zweiter Vater der "Mickey Mouse"
bekannt ist. Er war mit Walt Disney befreundet und dessen erster Angestellter
als die Disney-Studios öffneten. Er galt als einer der schnellsten Zeichner in
der damaligen Zeit und sein Strich prägte die Cartoons der ersten Tage. So gab er auch
der weltberühmten Maus sein erstes charakteristisches
Aussehen und erweckte sie ab 1928 in "Plane Crazy" zum Leben. Die Wege der beiden Väter
von Mickey trennten sich jedoch schon zwei Jahre später als Iwerks 1930 die Chance erhielt,
sein eigenes Studio zu eröffnen. Seine Hauptcharakter hieß "Flip the Frog"
(zunächst auch "Tony the Frog") und später "Willie
Whooper" bis dann die Farbreihe "ComiColor" mit wechselnden
Figuren
hinzukam. Vertrieben wurden die Filme zunächst von MGM, die hier schon mal für
spätere Erfolge wie "Tom und
Jerry" oder "Happy Harmonies"
übten und produziert von Pat Powers "Celebrity Productions".
Den Serien blieb der ganz große Erfolg versagt, was auch darin begründet liegen
mag, dass Iwerks zwar ein brillanter Handwerker war, ihn aber die Geschichten
und Gags nicht so locker von der Hand gingen. Die Studios mussten daher nach
dem finanziellen Rückzug von Pat Powers
bereits 1936 wieder schließen. Ub Iwerks arbeitete zunächst kurzzeitig für Columbia Pictures bevor er dann in den vierziger Jahren wieder zu
Disney zurückkehrte. Hier kümmerte er sich jetzt verstärkt um die technische
Fortentwicklung des Zeichentricks und war nicht mehr zeichnerisch aktiv.
Damit blieb "Flip the Frog" seine bekannteste Figur, die er allein entwickelt
hatte. Mit ihr erschienen in den Jahren 1930-33 immerhin 38 Cartoons. Der
bekannteste ist gleich der erste
Flip-Auftritt in "Fiddlesticks" vom 16.8.1930, denn er gilt als erster
farbiger Cartoon-Zeichentrickfilm mit Ton. Übrigens hat die fiedelnde Maus
verblüffende Ähnlichkeit zu Iwerks früherer Kreation.
Flip wurde nach seine beiden ersten
Auftritten noch einmal kräftig ummodelliert und bekam deutlich menschlichere
Züge. Auch seine Freundin wechselte von einer Katze zu einem Mädchen namens Fifi,
die Ähnlichkeiten zur beliebten Betty Boop hatte. In den Geschichten standen
natürlich die üblichen Slapstick-Gags und Gesangsnummern im Vordergrund, aber
die Depression in Amerika, die der großen Weltwirtschaftskrise ab 1931 folgte,
lässt sich in einer Reihe von Szenen in den Geschichten nachweisen. So muss sich
Flip unstet mehr oder weniger erfolgreich in den unterschiedlichsten Jobs wie
Milchmann, Feuerwehrmann, Kellner, Kindermädchen oder Bürobote überleben. Aber natürlich bleibt die Atmosphäre stets lustig und leicht, schließlich sollten die Kinobesucher vom
Elend der täglichen Angst um Arbeit und Brot abgelenkt werden.
In Deutschland wurden die Filme aus den Kindertagen des Kinos in der ARTE-Reihe "Cartoon Factory" gezeigt. Aktuell kommt man an die Filme derzeit nur noch über alte Videokassetten heran, die aber qualitativ nicht gerade überzeugen können. In den USA haben die Filme dank der Reihe "The Cartoons That Time Forgot" eine angemessene Wiederveröffentlichung erlebt.
| Originaltitel | Flip the Frog |
| Produktionsfirma | Celebrity Productions |
| Produzenten | Ub Iwerks, Pat Powers |
Regie |
Ub Iwerks |
| Animation | Ub Iwerks, Grim Natwick, Shamus Culhane |
| Musik | Carl W. Stalling |
| Jahr | 1930-33 |
| Länge | 6-8 Minuten |
Internetadressen |
Serienguide
DATUM |
ENGLISCHER TITEL |
DEUTSCHER TITEL |
| 16.08.1930 | Fiddlesticks | |
| 06.09.1930 | Flying Fists | Faust um Faust |
| 27.09.1930 | The Village Barber | |
| 18.10.1930 | Little Orphan Willie | Waisenjunge Willie |
| 18.10.1930 | The Cuckoo Murder Case | |
| 12.1930 | Puddle Pranks | |
| 31.01.1931 | The Village Smitty | Der Dorfschmied |
| 14.03.1931 | The Soup Song | |
| 06.04.1931 | Laughing Gas | |
| 02.05.1931 | Ragtime Romeo | Das Konzert der Tiere |
| 25.07.1931 | The New Car | |
| 29.08.1931 | Movie Mad | Wie werde ich Filmstar |
| 12.09.1931 | The Village Specialist | |
| 26.09.1931 | Jail Birds | |
| 17.10.1931 | Africa Squeaks | |
| 21.12.1931 | Spooks | |
| 20.02.1932 | The Milkman | Der Milchmann |
| 05.03.1932 | Fire! Fire! | |
| 26.03.1932 | What A Life! | Ein Hundeleben |
| 30.04.1932 | Puppy Love | |
14.05.1932 |
School Days |
Flip drückt die Schulbank |
| 18.06.1932 | The Bully | |
| 16.07.1932 | The Office Boy | Der Büroboy |
| 13.08.1932 | Room Runners | |
| 22.08.1932 | Stromy Seas | |
27.08.1932 |
Circus |
Jahrmarkt |
03.10.1932 |
The Goal Rush |
|
| 27.10.1932 | The Pony Express | |
29.10.1932 |
The Music Lesson |
|
| 26.11.1932 | Nurse Maid | Kindermädchen |
| 24.12.1932 | Funny Face | |
| 21.01.1933 | Coo Coo the Magician | Die gestohlene Braut |
| 03.04.1933 | Flip's Lunch Room | |
08.05.1933 |
Techno-Cracked |
|
30.05.1933 |
Bulloney |
|
| 24.06.1933 | A Chinaman's Chance | |
| 12.08.1933 | Pale-Face | Bleichgesicht |
12.10.1933 |
Soda Squirt |
