Copyright: Plymptoons

Gnadenlose Flitterwochen

Von dem Film "Gnadenlose Flitterwochen" werden die meisten wahrscheinlich eher unter dem bekannteren Originaltitel "I Married a Strange Person" gehört haben. Es hätte besser heißen sollen "I Made another Strange Movie", denn der Independent-Animator Bill Plympton widmet sich auch in seinem zweiten Spielfilm wie zuvor in zahllosen Kurzfilmen seinen Lieblingsthemen Sex & Gewalt. Deshalb lief dieser Film auch nicht in irgendwelchen Kindervorstellungen der Großkinos, sondern konnte bestenfalls auf Animations-Festivals und mancherorts in kleineren Off-Kinos gesehen werden. Selbst in den USA kam das Werk kaum in die regulären Kinos, sondern blieb einem Festivalpublikum vorenthalten. Immerhin kann man ihn in den Staaten auf Video bekommen - hier wurde er vor einigen Monaten auf ARTE ausgestrahlt.

Bill Plymptons Filme mit der typischen Mischung aus brutal-absurdem Witz gepfeffert mit einer Prise Erotik/Sex kommt bei vielen Festivalbesuchern an. Persönlich finde ich zwar einige Ideen recht originell, aber im Ganzen bewegt sich das nicht auf meiner Humorschiene: Explodierende Köpfe, blutig umherwirbelnde Gliedmaßen, absurde Körperverrenkungen kann man sicherlich nur im Trickfilm so darstellen, dass es eher bizarr und nicht völlig eklig wird - dies tun ja auch einige Animé und selbst "South Park". Aber für mich trägt das allein keinen ganzen Film, bestenfalls einen Kurzfilm. Die Story von "I Married..." ist deshalb auch schnell erzählt.

Es beginnt mit einem vögelnden Taubenpaar, das durch eine Verkettung unglücklicher Umstände das Leben des frisch verheirateten Grant Boyer verändert. Durch die beiden hat er einen Unfall, der dazu führt, dass er ungewöhnliche Illusionskräfte entwickelt, die seine Alpträume/Wünsche wahr werden lassen. So verwandelt sich der Rasen, den der Nachbar mähen will, zu einem Killer, der ihn wiederum den Rasenmäher auf den Hals hetzt. Ebenfalls wird seine Frau Keri auf ziemlich unschöne Weise durch Runzeln und Fettgewulste kurzzeitig entstellt. Bald wird auch das Fernsehen auf seine ungewöhnlichen Fähigkeiten aufmerksam und führt ihn in der "Jackie Jason Show" als Zauber-Freak vor. Das weckt wiederum die Gier des größenwahnsinnigen Larson P. Giles von der "Lächle AG". Er möchte an Grants Gewulst herankommen, das für die Erfüllung der Wünsche verantwortlich ist und schickt gleich eine ganze Armee vorbei. Die nimmt ihn tatsächlich auch gefangen, aber dank der Hilfe Keris befreit er sich. Das bietet wiederum die Chance auf allerlei Arten die Gedärme durch die Gegend spritzen zu lassen. Zum Schluss des surrealen Movies gibt es tatsächlich so etwas wie ein Happy End.

Das alles ist im typischen Stil von Plympton mit groben, karikaturhaften Strichen gezeichnet, denn er übernahm auch hier die meiste Zeichenarbeit selbst. Eine enorme Fleißarbeit, die man bei seinem neuesten Film nun Live im Internet mitverfolgen kann. Inhaltlich dürftig und episodenhaft, wird der Film nur die nicht gerade kleine Anhängerschar von Plympton, zufrieden stellen. Die wird vielleicht auch mit dem Zitat, das am Anfang der Films steht, etwas anfangen können: "Wenn ich das Wort "Kultur" höre, greife ich zur Pistole" (H. Göring). Nichtkenner sollten sich lieber erst einen seiner vielen Kurzfilme anschauen - das reicht für den Anfang völlig aus.

Produktionsfirmen Plymptoons
Produzent Bill Plympton
Associate Produzent John Holderried
Regie Bill Plympton
Buch Bill Plympton; P. C. Vey
Musik Maureen McElheron
Jahr 1997
Länge 75 Minuten

Mein Gästebuch