Hercules
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Hercules

"Hercules" ist für mich der einzige Disney-Film, bei dem die später produzierte TV-Serie besser funktioniert als der Kinofilm. Schuld daran sind die ziemlich einfach gehaltenen Zeichnungen. Laut der Macher bei Disney wollte man damit den Stil auf griechischen Amphoren nachahmen. Das ist zwar gelungen, sorgt aber für wenig detailliert ausgearbeitete, stilisierte Zeichnungen. Die pastellfarben-bonbonknallige Kolorierung soll auf der anderen Seite für einen modernen, jugendlichen Look sorgen.

Überhaupt ist man bei "Hercules" krampfhaft bemüht, nach dem eher düsteren "Glöckner von Notre Dame" wieder einen Film für die ganze Familie zu machen. "Cool" und "hip" sollen die alten Griechen samt ihrer mythologischen Helden rüberkommen. Deshalb müssen gleich zu Beginn des Films einige Grazien im Stile von "Destinys Child" in einem souligen Song die Jugendlichen erst einmal über die griechische Götterwelt aufklären - hier wird es sicherlich bei dem amerikanischen Publikum noch größere Defizite gegeben haben als hierzulande. Während der Anfang noch ganz originell und fetzig daherkommt, nervt die betont lässig, coole Sprache (Hercules ist natürlich "Herc" usw.) und die vielen, meist wenig gelungenen Verweise auf die Moderne. Zwar wird die Heldenverehrung, die man ja von einigen Boy- und Girlgroups zu Genüge kennt, in all seinen Facetten witzig aufs Korn genommen (inklusive "Actionpuppen"), aber eine Menge anderer Witze zünden kaum. Wenn man dem antiken Stoff so wenig Aktualität zugetraut hat, dann hätte man halt ganz auf eine Verfilmung verzichten sollen.

Die bekannte Geschichte vom Halbgott "Herakles" (wieder ein Spross aus Zeus Seitensprüngen mit sterblichen Frauen), der mit Schlauheit und großer Stärken eine Reihe von schwierigen Aufgaben meistert, wird bei Disney zur üblichen Gut gegen Böse-Geschichte umfunktioniert. Der hinterhältige Gott der Unterwelt Hades hat den kleinen Hercules als Kind vom Olymp entführt. Es wurde nämlich prophezeit, dass nur Hercules in Zukunft Hades bei seinen teuflischen Machtplänen im Weg stehen könnte. Der Sohn des Göttervaters überlebt, aber wächst ohne von seiner Göttlichkeit zu wissen unter den Menschen auf.
 
Eines Tages teilt ihm sein Vater seine wahre Herkunft mit und stellt ihn die Rückkehr auf den Götterberg Olymp in Aussicht, wenn er zu einem "wahren Helden" geworden ist. Als Heldentrainer wird ihn der zynische, hässliche, aber gutherzige Satyr Phil(octetes) zur Seite gestellt. Dazu gesellt sich als Gefährte noch das fliegende Pferd Pegasus und mit der selbstbewussten Meg(ara) gibt es nicht nur eine Identifikationsfigur für weibliche Zuschauer, sondern auch eine Frau zum Verlieben für Hercules. Klar wird der fiese Gott Hades mitsamt seinen beiden schlangenartigen Helfern Pech und Schwefel besiegt, nebenbei die Titanen platt gemacht und Zeus vor dem Umsturz bewahrt. Zum "wahren Helden" macht ihn aber erst das selbstlose Opfer für seine Meg - obwohl sie von Hades als Helferin missbraucht wird.

Alles ganz ordentlich animiert - beim Kampf gegen das Monster kommt auch so richtig der Computer zum Einsatz - aber weder Animation noch die Geschichte hinterlassen einen bleibenden Eindruck. Stattdessen überlegt man sich, ob man nicht wieder mal das Buch über die griechische Mythologie rauskramen sollte, das man vor 20 Jahren gelesen hat.

Der moderne Heldenepos ging diesmal auch bei der Verteilung der "Oscars" leer aus. Bei Produktionskosten von rund 70 Millionen Dollar scheiterte der Film in den USA knapp an der 100 Millionen Dollar-Einnahmegrenze. In Deutschland legte man mit knapp 3 Millionen Zuschauer ein mittelprächtiges Ergebnis hin. Trotz des bestenfalls durchschnittlichen Erfolgs wurde eine
TV-Serie und ein Video (1999) nachgeschoben.

Originaltitel Disney`s Hercules
Produktionsfirmen Walt Disney Productions
Produzenten Ron Clements; John Musker; Alice Dewey
Regie Ron Clements; John Musker
Drehbuch Barry Johnson; Don Clements; Don McEnery
Originalvorlage Griechische Sagen
Musik Alan Menken
Jahr 1997
Länge 92 Minuten
Internet www.disney.de/DisneyOnline/Starworld/Hercules/index.html
www.hercule.com

 

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