
Copyright: Paul Zaentz Prod; Ralph Bakshi
Der Herr der Ringe
Spätestens seit dem Oscar-Regen 2004 hat jeder von der
erfolgreichen Verfilmung des Fantasy-Klassikers "Der Herr der Ringe" gehört.
Durch den großen Medienrummel, der um die aufwändige Realverfilmung veranstaltet
wurde, ist fast in Vergessenheit geraten, dass es bereits Ende der siebziger
Jahre einen ehrgeizigen Versuch gab, die spannende Romantrilogie von J.R.R.
Tolkien zu verfilmen. Allerdings kam das Unternehmen nicht über das erste Buch
hinaus, aber dennoch kann sich der ungewöhnliche Animationsfilm auch noch heute
sehen lassen.
Es war der Regisseur Ralph Bakshi, der 1978 das Mammutwerk als Animationsfilm
erstmals auf die Leinwände brachte. Dies war bereits der fünfte Kinofilm, den
das Ausnahmetalent realisiert hatte. Seine ersten Meriten verdiente er sich in
den 50er Jahren bei der Firma "Terrytoons", die billig gemachte Massenprodukte
wie "Oskar die Supermaus" auf den Markt warfen. Laut eigener Aussage soll
er bereits
in dieser Zeit versucht haben, an die Rechte der Bücher für eine Verfilmung zu
kommen. Die hatte aber über zehn Jahre Disney, bevor sie dann an Universal Artists weiter gereicht wurden. Hier sollen sich Regisseur-Ikonen wie Stanley
Kubrick oder John Boormann 1968 mit Gedanken getragen haben, sich des Stoffes
anzunehmen. Der Roman war damals überraschend in Hippie-Kreisen zu einem Kult-Roman
avanciert. Bakshi bemühte sich zwar weiterhin um die Rechte, realisierte aber
erst einmal 1972 mit Steve Krantz seinen ersten abendfüllenden Spielfilm: "Fritz the Cat"
basiert auf den Underground-Comics von Robert Crumb und war der erste Trickfilm,
der ein X-Rated bekam - also nur für Erwachsene. Damit bewies Bakshi, dass
abendfüllende Trickfilme mit Stoff für Erwachsene kommerziell durchaus
eine Chance hatten. Weitere anspruchsvolle Stoffe folgten und schließlich wurde
dem nun etablierten Filmemacher die Verfilmung des Fantasy-Epos von Tolkien
anvertraut.
Viele Fans empfanden dies als Riesenfehler, denn weder konnte sie sich mit den
vielen Kürzungen und Auslassungen anfreunden noch mochten sie die ungewöhnliche
Animation. Es kam in vielen Szenen eine bereits alte, aber kaum noch angewandte
Tricktechnik zum Einsatz, die Rotoskopie. Sie war bereits 1917 von Max Fleischer
patentiert worden und bedeutet vereinfacht, dass Realaufnahmen nachträglich
durch Übermalen verfremdet werden. Dies schafft einerseits natürliche
Bewegungsabläufe bei gleichzeitig surrealen Effekten. Die Realaufnahmen hierzu
wurden in England und Spanien gefilmt und dauerten rund ein halbes Jahr. Dann
folgte über ein Jahr die Bearbeitung im Studio, wo neben Verfremdungen noch
weitere Animation im herkömmlichen Zeichentrick hinzugefügt wurden. Die dabei
entstandene Mischung der verschiedenen Techniken ergab nicht immer unbedingt ein
harmonische Ganzes.
Der Inhalt des Buches dürfte inzwischen ja den meisten bekannt sein, weshalb ich
hier nicht weiter auf den Filminhalt eingehen möchte, der vor allem dem ersten
Teil der Trilogie sowie einem Teil des zweiten Bandes folgt. Er endet dann sehr
abrupt nach rund 130 Minuten. Zwar war die Fortsetzung fest eingeplant, aber
nachdem an den Kassen nicht gerade sensationelle 27 Millionen Dollar eingespielt
wurden und harsche Kritik aus dem Kreis der eisenharten Tolkien-Fans über den
Film einprasselte, bekamen die Geldgeber kalte Füße. Für die Fortsetzung sollte
noch weniger Geld zur Verfügung stehen als für den ersten Teil - und hier musste
man dem engem finanziellen Korsett schon Tribut zollen. So blieb die Fortsetzung
aus, was den meisten Fans wahrscheinlich ziemlich lieb war.
Natürlich sind eine Reihe der Kritikpunkte an dem Film durchaus berechtigt: Die
Geschichte wird nicht getreu nacherzählt, die Mischung der Animationstechniken
wirkt oftmals willkürlich und unkoordiniert und kleinere Schlampereien wie die
Verwendung des Namens Aruman für Saruman wären zu vermeiden gewesen. Allerdings
war klar, dass ein Regisseur wie Bakshi eine Interpretation des Buches aus
seiner Sicht abliefern würde und keine buchstabengetreue Verfilmung des
Originals. Die angewandte Technik halte ich bei so einem Projekt für ziemlich
mutig und stellenweise ergeben sich daraus sehenswerte Effekte. Leider wird
jedoch durch den Stilmix kein einheitliches Gesamtbild geschaffen.
Vielleicht können die Fans des Buches, nachdem sie inzwischen eine perfekte
Realverfilmung serviert bekamen, diese animierte Version mit mehr Milde als eine
künstlerisches Interpretation des Stoffes betrachten. Voraussichtlich wird
dieser Film aber eher komplett in der Versenkung verschwinden.
Es gab übrigens, den wenig bekannten, weiteren Versuch, den Stoff vom Herrn der
Ringe zeichnerisch doch noch zu Ende zu bringen. Unter der Regie von Jules Bass und
Arthur Rankin, sie hatten sich schon 1978 am "The Hobbit" versucht, wurde
im "The
Return of the King" die restliche Geschichte erzählt. Allerdings sind diese
beide Adaptionen nur billig produzierte TV-Filme. So wurde es wirklich Zeit, den
großartigen Roman auch mit einer aufwändigen Produktion gerecht zu werden. Peter
Jackson ist dann das gelungen, woran Ralph Bakshi fast 25 Jahre vorher gescheitert
war.
Originaltitel |
The Lord of the Rings |
Produktionsfirmen |
Saul Zaentz Production Company |
Regie |
Ralph Bakshi |
Produzent |
Saul Zaentz |
Drehbuch |
Peter S. Beagle, Chris Conkling |
| Vorlage | J.R.R. Tolkien |
Musik |
Paul Kont, Leonard Rosenman |
Jahr |
1978 |
Länge |
128 Minuten |
