
Copyright: Bruno Bozzetto
Herr Rossi
Gestatten Rrrossi. So stellt sich ein freundlicher, kleiner italienischer
Herr seinen Fans in aller Welt vor. Dieser unscheinbare Durchschnittstyp ist
die bekannteste Figur des italienischen Star-Trickfilmers
Bruno Bozzetto ("Allegro
Non Troppo" oder "Der
wildeste Westen") und hat es bis zur Werbefigur gebracht.
Wie so oft waren die Anfänge eher unspektakulär. Mit Beginn der 60er Jahre
entstanden einige kleine witzige Kurzfilme mit einem kleinen, kahlköpfigen
Männchen, das eine ausgeprägte Knollennase samt Schnurrbärtchen ziert. Als
Vorbild diente ein Festivaldirektor, der einen eingeschickten Beitrag von
Bozzetto abgelehnt hatte. Er ärgerte sich so darüber, dass er einen witzigen
Film mit dem Titel "Einen Oscar für Herrn Rossi" (1960)
darüber machte. Bis 1974 folgten weitere 6 Kurzauftritte, bevor es dann
Schlag auf Schlag weiter ging. Zunächst versuchte sich Rossi 1975 in kleinen
Filmen von 3 Minuten Dauer im Stil von
Goofy erfolglos in verschiedenen Sportarten.
Darauf folgte ein Jahr später die 4-teilige Serie, die vor allem seinen Ruf begründete:
"Herr Rossi sucht das Glück". Der Intro-Song "Viva la Felicita" wurde zu einem
kleinen Hit und im Rahmen der Retro-Welle taucht das Lied seitdem immer wieder
mal auf CD-Kompilationen auf. Aber auch die Serie schafft es immer wieder auf
die TV-Bildschirme und dank einer hervorragenden DVD-Reihe kann man nun nicht nur
erstmals alle Serien und Kurzfilme mit ihm ansehen, sondern sich auch die
Originalstimmen anhören. Besonders bei den Sport-Kurzfilmen ist dies zu
empfehlen, denn hier ist die deutsche Synchronisation völlig misslungen.
Dagegen ist die Übersetzung der drei jeweils vierteiligen Serien ("Rossi sucht
das Glück", "Herr Rossi träumt" und "Die Ferien des Herrn Rossi")
geglückt und die deutschen Stimmen passen gut zu den Charakteren und bleiben
im Ohr.
Herr Rossi ein kleiner, lediger Angestellter, der tagein tagaus in die
Fischkonserven-Fabrik geht, vor seinem fiesen Chef katzbuckelt und ein
ziemlich freudloses Dasein führt. Dies ändert sich schlagartig als er von
der kauzigen Fee Sicura eine Trillerpfeife bekommt, die ihm Reisen durch die
Zeiten, aber auch in Fantasie-Welten ermöglicht. Ist er zunächst allein
unterwegs, so schließt sich ihm ab der zweiten Folge der Hund seines Chefs
Gastone an. Er hat oft für die Träumereien seines neuen Herrchens nur ein
Kopfschütteln übrig und kommentiert Rossis Ambitionen aus dem Alltag
auszubrechen entsprechend bissig.
Doch immer wieder zeigt es sich, dass Rossi nie seinem eigenen Ich entfliehen
kann und auch andere Zeiten und Welten für ihn jede Menge Schwierigkeiten bereit
halten: Sei es in der Steinzeit, im alten Rom, im Mittelalter, im Land der
Pharaonen, im wilden Westen oder selbst im Märchenland. So stellt er sich
schließlich der Realität und erkennt, dass eine Zauberpfeife nicht wahres
Glück bedeuten kann.
Doch seine fade Realität holt ihn bald wieder ein und so flüchtet er sich in
der zweiten Serie immer wieder in Tagträumereien, während Gastone den Haushalt
schmeißen muss und sich über die wilden Fantasien seines Herrchens immer
wieder wundert. Schließlich geht es bei den "Ferien des Herrn Rossi" in den
Urlaub und hier gleich zu mehreren Stationen: Ans Meer, aufs Land, an einen See
und in die Berge. Überall gibt es neben Seitenhiebe auf den modernen
Massentourismus auch Abenteuer und Situationen zu bestehen, die alles andere
als erholsam sind.
Natürlich überzeichnet Bozzetto in den Filmen vieles satirisch, aber sicherlich können sich
eine Menge Erwachsener mit dem Durchschnittsbürger Rossi identifizieren und
lassen ihn so zu einer zeitlosen Kultfigur werden.
Leider hat Bozzetto seitdem keine weiteren Geschichten mit seinem Helden mehr
animiert - abgesehen von einem Kurzauftritt in "Allegro non troppo" - aber
dafür eine Vielzahl spaßig-satirischer Kurzfilme gedreht - darunter auch die
kleinen Geschichten um allerlei Insekten "Lilliputput" (1980). All dies
brachte ihm den etwas irreführenden Ruf des italienischen Walt Disneys ein. Im Gegensatz zu
Disney hat Bozzetto jedoch bei allem Humor, der manchmal sehr schwarz sein
kann, auch immer Ecken und Kanten - sowohl bei der Animation also auch den
Inhalten. Viele seiner Filme werden deshalb wohl mehr die Eltern
als deren Kinder begeistern können.
| Land | Italien |
| Originaltitel | Signore Rossi |
| Produktionsfirmen | Bruno Bozzetto Films, Wagner-Hallig-Film GmbH, RTSI |
| Produzent | Bruno Bozzetto |
| Künstl. Leitung | Guido Manuli |
| Regie | Bruno Bozzetto |
| Buch | Bruno Bozzetto, Maurizio Nichetti, Guido Manuli |
| Musik | Franco Godi |
| Folgen | 3 x 4 Folgen; Kurzfilme |
| Länge | 20 Minuten; Kurzfilme 3 bzw. 10 Minuten |
| Internetadressen |
www.zeichentrickserien.de/rossi.htm www.bozzetto.com/ |
Serienguide
(in chronologischer Reihenfolge)
| ORIGINAL TITEL | DEUTSCHER TITEL |
| Kurzfilme | |
| 1960: Un Oscar per il Signor Rossi | Einen Oscar für Herrn Rossi |
| 1963: Il Signor Rossi va a sciare | Herr Rossi geht zum Skifahren |
| 1964: Il Signore Rossi al mare | Herr Rossi am Strand |
| 1966: ll Signor Rossi compra l'automobile | Herr Rossi kauft das Auto |
| 1970: Il Signor Rossi al camping | Herr Rossi beim Camping |
| 1971: Il Signor Rossi al safari fotografico | Herr Rossi auf Fotosafari |
| 1974: Il Signor Rossi a Venezia | Herr Rossi in Venedig |
| Il Signore Rossi e lo sport (1975) | |
| 1. Canottaggio | Rudern |
| 2. Tirade di scherma | Fechten |
| 3. Sciare | Ski-Fahren |
| 4. Ginnastica | Turnen |
| 5. Andare in bicicletta | Rad fahren |
| 6. Atletica leggera | Leichtathletik/Laufen |
| 7. Pallacanestro | Basketball, Volleyball |
| 8. Tennis | Tennis |
| 9. Nuotare | Schwimmen |
| 10. Calcio | Fußball |
| Il Signor Rossi cerca la felicita | Herr Rossi sucht das Glück (1976) |
| Il sogni del Signor Rossi | Herr Rossi träumt (1977) |
| Le vacanzo del Signor Rossi | Die Ferien des Herrn Rossi (1977) |
| 1. Campeggio al mare | Der Campingplatz am Meer |
| 2. Vancanze in fattoria | Urlaub auf dem Bauernhof |
| 3. Pesca marittima | Anglerglück am See |
| 4. Arrampicata in montagna | Gipfelstürmer haben's schwer |
