
Copyright: Dreamworks/PDI
Große Haie -
Kleine Fische
Endlich mal wieder ein Mafia-Film, bei dem nicht nur Robert de
Niro mitspielt, sondern sogar Martin Scorsese selber auftritt - die beiden aber als Hai-
bzw. Kugelfisch?
Endlich mal ein typischer Underdog-Film über farbige Ghetto-Bewohner, die davon
träumen, es nach ganz oben zu schaffen - aber als Korallenfisch, der in einer
Walfisch-Waschanlage arbeitet?
Endlich mal ein Film mit zwei coolen Rastafari, die ständig ziemlich bekifft klingen
- aber als Quallen? Halt! Das hatten wir doch schon mal. Da war doch eine
ziemlich lässig-bedröhnt wirkende Schildkröte in einem anderen Animationsfilm
mit Fischen. Das war es aber auch schon mit Ähnlichkeiten bei den Figuren und
Inhalten zum niedlichen Familienfilm "Findet Nemo".
Bei dem neuen computeranimierten Trickfilm aus dem Hause "Dreamworks" geht es
ebenfalls um das verrückt-bunte Treiben in der Korallenwelt unter Wasser, aber
die anvisierte Zielgruppe ist wie schon bei "Antz" oder "Shrek" deutlich älter
als bei den noch erfolgreicheren Filmen aus den Pixar-Studios. Besonders die
vielen Anspielungen auf andere Filme wie (natürlich) "Der weiße Hai", "Der
Pate", "Der Ring", "Ali", "Car Wash", "Eine Frage der Ehre" oder "Titanic"
werden ältere Kinogänger genießen. Doch auch mit
Trickfilmen für ein reiferes Publikum lässt sich offenbar viel Geld
verdienen, denn trotz einiger kritischer Stimmen eroberte der Film in den USA
sofort den Spitzenplatz und verließ ihn dann drei Wochen nicht mehr (Gesamt 158
Millionen Dollar eingespielt). In Deutschland
wurde die Top-Position zwar nicht so lange verteidigt, aber die Hürde von einer Million Besucher fiel dennoch in kürzester Zeit
(Gesamt 1,9 Millionen Besucher).
Das lag wohl nicht nur
wieder einmal an einer herausragend flüssigen Computeranimation mit unglaublichem
Detailreichtum und atemberaubender Farbvielfalt, sondern auch an cooler Musik,
witzigen Dialogen, temporeicher Handlung und überzeugenden Charakteren. Bei
einigen Figuren wie zum Beispiel dem Kugelfisch Sykes alias Scorsese oder dem
Paten-Hai Don Lino (Robert de Niro) gelang die Verwandlung nahezu perfekt. Die
Vertreter der Italo-Amerikaner sahen sich sogar bemüßigt Protest einzulegen, da
sie die Italiener generell als Mafiosi verunglimpft sahen. Bei
anderen wie Oscar (Will Smith) oder seine Freundin Angi (Rene Zellwenger) waren
die Ähnlichkeiten weniger deutlich.
Leider wurde in Deutschland bei der Auswahl der Synchronstimmen keine gute Arbeit geleistet.
Nicht zuletzt dank der original Synchronstimme von Robert de Niro (Christian
Brückner) kam echtes Mafia-Feeling auf, bei vielen anderen Figuren gab man sich weitaus weniger Mühe.
Sprecher wie Ex-Viva Moderator Mola Adebisi, Pop-Sternchen Yvonne Catterfield
oder Moderatorin Frauke Ludowig sollten wohl eine zusätzliche Motivation für das junge Publikum
sein, in einen Animationsfilm zu gehen. Die meisten Sprecher machen ihre Sache
nicht wirklich schlecht, aber gerade Deutschland hat fesselndere
Stimmen.
Zum Glück macht der Film dieses kleine Manko wieder wett. Die Drehbuchautoren
bedienten sich hemmungslos diverser Mafia-Filme, mischten sie mit Geschichten
über feinfühligen Söhnen, die von ihren Vätern nicht verstanden werden und
verquirlen das Ganze dann noch mit der Story vom kleinen Angeber, der davon
träumt mal nach ganz oben zu schwimmen. Dann wurde das Geschehen von der
Erdoberfläche unter Wasser verlegt, aus gefürchteten Mafiosi wurden nicht minder
gefürchtete Haie, die stilvoll im Wrack der Titanic wohnen und aus Ghetto-Bewohnern
New Yorks werden
Korallenfische im Southside Riff, die statt in einer Auto- in einer
Walwaschanlage arbeiten.
Dort ist als Zungenschrubber Oscar beschäftigt, der nicht gerade durch seinen
Arbeitseifer, aber einer großen Klappe und ständigen Geldsorgen auffällt. Sein
Traum ist der Sprung vom kleinen Schrubber zum geachteten und bewunderten
Top-Fisch. Doch droht ihm stattdessen ein rasches und grausames Ende als er
seine hohen Schulden seinem Boss Sykes nicht zurückzahlen kann. Die Rastafari-Quallen Ernie und Bernie
bekommen den Auftrag, ihn zu beseitigen - in Zukunft werde ich
beim Rastalook nur noch an Tentakel denken können.
Doch bekanntlich ist, besonders in Filmen, die schwärzeste Stunde oft der Beginn
eines furiosen Aufstiegs. Hier ist es das Auftauchen der unterschiedlichen Söhne Lenny und Frankie des
Hai-Bosses Don Lino. Während Frankie ein Killerhai so ganz nach Geschmack des
Vaters ist, entpuppt sich Lenny als Vegetarier mit butterweichem Herz. Davon
profitiert auch Oscar, der sich schon als Haifutter sieht. Als Frankie das
vollenden will, was sein Bruder nicht schafft, schlägt das Schicksal erneut zu
und erledigt ihn in Gestalt eines riesigen Ankers. Oscar nutzt die Gunst der
Stunde als jeder in Reef City ihn für eine "Sharkslayer" hält (so auch der
ursprünglich treffende Originaltitel) und wird zum gefeierten Helden der Stadt, dem nun der
ersehnte Aufstieg gelingt. Seine neue Rolle kann er sogar noch untermauern
als sich Lenny anschließt, der Ruhe vor seinem Vater und dem typischen
Haileben haben will. Aber man soll nie den Rachedurst eines italienischen Padre
unterschätzen.
Es ist also eine Menge los unter Wasser untermalt mit fetziger Musik und viel
Humor, der allerdings nicht immer ins Schwarze trifft und gelegentlich etwas
bemüht wirkt. Zudem wäre etwas weniger "Coolness" und Heranschmeißen an Jugendthemen und -slang mehr gewesen, aber das kann insgesamt den
Unterwasser-Spaß nicht wirklich trüben.
Originaltitel |
Shark Tale (zuvor: Sharkslayer) |
Produktionsfirma |
Dreamworks SKG; Pacific Data Images (PDI) |
Regie |
Bibo Bergeron, Victoria Jenson, Rob Letterman |
Produzenten |
Bill Damaschke, Janet Healy, Allison Lyon Segan |
| Ausführende Produzenten | Jeffrey Katzenberg |
Drehbuch |
Michael J. Wilson, Rob Letterman, Damian Shannon, Mark Swift |
Musik |
Hans Zimmer; "Car Wash" von Christina Aguilera, Missy Elliott |
Jahr |
2004 |
Länge |
90 Minuten |
Homepage |
movies.uip.de/grossehaiekleinefische/ www.filmz.de/film_2004/grosse_haie_kleine_fische/links.htm |
