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Ein Königreich für ein Lama

Der Entstehungsprozess von "Ein Königreich für ein Lama" war ein einziges Chaos. Hier nur in Kürze, was für eine schwierige Geburt der neue Disney-Film hinter sich hat:
Der ursprüngliche Titel lautete "Kingdom of the Sun" (1994) und drehte sich um einen Prinzen, der seine Rolle mit einen normalen Bürger tauscht. Einziger Unterschied der beiden ist das Sonnenzeichen auf dem Arm des Prinzen. Dieser Scherz geht böse schief als ehrgeizige Mächte mit eigenen Plänen auftauchen.
Schief gingen jedoch auch die Produktionsarbeiten - irgendwie bekam man die Figuren und die Geschichte nicht rund. Es gab intern Krach, Personal wurde ausgetauscht und in der Folge gab es Produktionsverzögerungen (geplant war der Start ursprünglich Sommer 2000), einen neuen Titel und eine völlig umgekrempelte Story. Zusätzlich vergrätzte man den Musiker Sting, der bereits fünf Songs für den Film geschrieben hatte, von denen schließlich nur noch ein Titel übrig blieb.
Dieses Produktionschaos schreckte dann wohl anfangs das US-Publikum ab. Nach einem katastrophalen Start konnte der Film dann aber immerhin noch über 85 Millionen Dollar in den USA einspielen.

Was ist aber nun bei all dem Kuddelmuddel rausgekommen?
Kurz gesagt: Ein Disney-Film, der mit der Tradition gnadenlos bricht und dies mit sichtlicher Freude tut: Zunächst wird nur ein einziges mal gesungen - was für mich eher von Vor- denn von Nachteil ist. Es gibt keine Liebesgeschichte und, bis auf die verwandelten Menschen, keine sprechenden Tiere oder Gegenstände - außer einem niedlichen Eichhörnchen, das aber eines "Übersetzers" bedarf.
Viel auffälliger ist jedoch der Bruch im Animationsstil. Hier gibt es keine aufwendig gestalteten Hintergründe und das Schwelgen in Farben mehr, sondern ein Zeichenstil, den man noch am besten mit "Herkules" vergleichen kann - für mich der einzige Punkt in dem Film, der richtig schmerzt. Wobei die Charakter-zeichnungen klasse sind und der geringe Einsatz an Computeranimation schadet ebenfalls nicht.
Der Chefanimator Nik Ranieri (Kusco und Lama) erweist mit dem "Königreich für ein Lama" seine Referenz an die Cartoons der "Warner Brothers" oder in Sachen Humor auch an "Tex Avery". Will heißen: Würden die "Warner Brothers" einen Film im Stil der Klassiker von "Bugs Bunny", "Daffy" oder "Roadrunner" machen, würde er so aussehen wie dieser Film.
Es gibt Slapstick pur und einige Szenen, in denen ein Gag den nächsten jagt - passend zum Originaltitel " The Emperor´s New Groove", hat sich alles dem Diktat von Rhythmus und Rasanz zu unterwerfen.
Selbst absurde Gags aus den Kurzfilmen werden wieder verwendet: Das Lama/Prinz Kusco erzählt die Geschichte aus dem Off und wird wiederum beim Erzählen vom Lama brüsk unterbrochen, es hält den Film einfach an und kritzelt in den Zeichnungen herum oder bei einer Verfolgungsjagd zeigen blaue und rote Pfeile den Weg der Kontrahenten auf einer Karte und prompt taucht der gestrichelte Pfad dann auch im Film auf. Die Figuren sind sich bewußt Trickfiguren zu sein und wundern sich nicht großartig über groteske Situationen - es ist schließlich alles nur Trick, was soll´s also.

Die Geschichte selbst ist schnell erzählt. Der junge Inka-Kaiser Kusco (sehr gelungen gesprochen von Michael Herbig alias "Bully") ist ein verwöhnter Alleinherrscher. Sein neuester Plan ist der Bau einer Sommerresidenz "Kuscotopia". Dafür muß allerdings das Dorf des Bauern Patcha weichen. Vor Verwirklichung seines egoistischen Plans wird Kusco jedoch von seiner ehrgeizigen und schrecklich häßlichen Beraterin Isma (eine typische Disney-Hexe, die Eartha Kitt karikiert) in ein Lama verwandelt. Prompt ist es dann der gutmütige Patcha, der den verwandelten Herrscher wieder in den Palast zurückbringen soll. Das ist alles andere als einfach: Denn neben den Gefahren des Dschungels ist Kusco auch als Lama weiterhin ein verwöhnter Egoist. Und dann ist zudem Isma und ihr beschränkter Helfer Kronk den beiden auf den Fersen. Kronk ist übrigens eine absolut sympathische Nebenfigur, ebenso wie die Familie von Patcha.

Insgesamt einer der lustigsten Disney-Filme der letzten Jahre, allerdings auch der Disney-Film mit dem geringsten "Disney-Look". Trotzdem gab es drei "Annie Awards".
In der anschließenden TV-Serie wird Kuzco dann noch mal in die Schule gesteckt. Und einen zweiten Teil auf DVD gibt es auch.

Originaltitel The Emperor`s New Groove (früherer Titel: Kingdom of the Sun)
Produktionsfirma Walt Disney
Produzent Randy Fullmer
Ausführender Produzent Don Hahn
Regie Mark Dindal
Story Chris Williams, Mark Dindal
nach der Originalstory von Roger Allers und Matthew Jacobs
Drehbuch David Reynolds
Musik Sting (Texte); Sting und David Hartley (Musik)
Jahr 2000
Länge 78 Minuten
Internetseite www.disney.de/DisneyKinofilme/lama/index.html

 

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