lilo und stitch
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Lilo & Stitch

Der neue abendfüllende Film von Disney, hatte eine riesige Bürde zu tragen. Die Einspielergebnisse der letzten Disney- Filme waren alles andere als berauschend. Der Versuch mit "Atlantis - Der verlorene Kontinent" ein erwachseneres Publikum anzusprechen, ging völlig daneben und sorgte eher für weitere Verunsicherung der Eltern, die bisher "Disney" als absolut kindertauglich gesehen hatten.
 
Neben den wirtschaftlichen Problemen, die zur Zeit alle Medienkonzerne mehr oder weniger stark durchmachen, kam nun noch Häme und Kritikerstimmen hinzu, die "Disney"die künstlerische Kompetenz für Trickfilme im neuen Jahrtausend generell absprachen. Schuld daran war auch, dass der Mäuse-Konzern nur dank der Zusammenarbeit mit der Firma "Pixar" in der Lage war, im Bereich computeranimierter Filme mithalten zu können. Der Erfolg der CGI-Produktionen bei der erstmaligen "Oscar"-Verleihung eines abendfüllenden Animationsfilms  - alle drei nominierten Filme waren Computern entsprungen - scheinen den Niedergang traditionell gezeichneter Trickfilme einzuläuten. Zudem liefen die Produktionskosten für einen qualitativ anspruchsvollen, handgezeichnete Trickfilme davon. Disney hatte auf diese Entwicklung bereits mit einer drastischen Reduzierung der Belegschaft in der traditionellen Zeichentrickproduktion reagiert.

Die Geschichte über einen notgelandeten Außerirdischen wurde so zur letzten Chance des traditionell gezeichneten Trickfilms stilisiert. Das ist sicherlich übertrieben, aber dennoch hätte ein weiterer Misserfolg nicht nur für den Konzern alleine Auswirkungen gehabt. Doch "Lilo & Stitch" bewies nicht nur, dass die Leute immer noch in gut animierte traditionelle Trickfilme gehen, sondern sie auch kostengünstig herzustellen sind. Man hatte bei Filmen wie "Tarzan", Produktionskosten von über 150 Millionen Dollar zu stemmen - hier waren es "nur" rund 80 Millionen Dollar.

Schön wäre es jedenfalls, wenn sich ebenfalls die Erkenntnis durchsetzen würde, dass unabhängig von der Produktionsform und den Kosten, vor allem eine gute Geschichte erzählt werden muss. Nicht zuletzt der Mega-Flop "Final Fantasy" hatte doch gezeigt, dass aufwendige Computertechnik eine schwache Story nicht retten kann.

Die Geschichte steht bei "Lilo & Stitch" eindeutig im Vordergrund. Diesmal wird aber nicht mit der Erfolgsformel gearbeitet, einen bekannten Stoff in Disney-Manier neu zu interpretieren, sondern eine eigene Story gezimmert. Neuland betritt man dabei mit dem SF-Genre. Und hier klaut man dann ziemlich aus anderen Filmen zusammen: Stich sieht aus wie eine Mischung aus "Gremlin" und "Pokémon", die Story bedient sich bei "E.T.", "Men in Black" oder auch beim Trickfilm "Der Gigant aus dem All". Dies wird mit der überhaupt nicht phantastischen Problematik einer kaputten Familie verquirlt, in der die 19jährige Nani der etwas "verhaltensauffälligen" jüngeren Schwester Lilo Vater und Mutter ersetzen muss, die bei einem Autounfall ums Leben kamen. Ständig in Angst, das Kind an die Sozialfürsorge zu verlieren, platzt unversehens ein Außerirdischer in dieses problematische Südseeidyll.

Stitch, eigentlich "Experiment 626", ist einer genetischen Bastelei entsprungen und auf Zerstören programmiert. Der galaktische Rat auf dem Planeten Turo will diese lebende, intelligente Kampfmaschine unschädlich machen. Er entkommt jedoch und kracht mit seinem Raumschiff auf Kaua'i/Hawaii. Hier wird er als hässliches Hündchen von Lilo in einem Tierheim adoptiert. Trotz seiner Stärke und zerstörerischen Ader schließt ihn Lilo ins Herz und versucht, ihn unter anderem ihre Liebe zu Elvis nahe zubringen. Stitch, der sich Lilo zunächst lediglich als lebendes Schutzschild ausgesucht hatte, beginnt langsam die Bedeutung einer Familie kennenzulernen, die er auch nie besaß.

Seine Freiheit wird aber bedroht durch seinen durchgeknallten "Schöpfer" Jumba Jookiba und Pleakley, einem Agenten des galaktischen Rates, die ausgeschickt wurden, ihn wieder einzufangen. Sie müssen aber aufpassen nicht von der Erdbewohnern entdeckt zu werden, denn Menschen müssen geschützt werden, denn sie sichern wiederum den Erhalt der vom Aussterben bedrohten Mücken - hier hat jemand wohl Douglas Adams gelesen.

Klingt nach einer guten Story - wenn auch nicht unbedingt nach Disney, oder? Tatsächlich kam so etwas wie ein "Disney"- Feeling nicht auf: Auf Gesang wurde weitgehend verzichtet, es gab keine sprechenden Tiere - zugegeben statt dessen niedlich aussehende, sprechende Aliens á la "Monster AG" andererseits einen meist ziemlich rüpelhaften Stitch - und die Geschichte hatte bei allem Witz einen schwermütigen Unterton.

Zeichnerisch bediente man sich der bunten Farbvielfalt der Karibik. Hier sorgten Wasserfarben (zuletzt bei "Dumbo" eingesetzt!!) für teilweise wunderschöne satte Farbtöne. Die Menschen wurden im Verhalten, Bewegung und Aussehen möglichst realistisch dargestellt. Der Charakter Lilo soll übrigens eine Reminiszenz an den Altmeister des Anime Hayao Miyazaki ("Prinzessin Mononoke" und vor allem "Kiki´Delivery Service" - so heißt auch ein Restaurant im Film) sein.

Den Verlust eines "typischen Disney´s" kann man bedauern, ich denke aber, dass es die Zeichen der Zeit erforderten von der einstmaligen Erfolgsformel "Zeichnerische Musicals für ganze Familie" abzugehen. Bei "Lilo & Stitch" gelang der Aufbruch in eine neue Ära weitaus besser als bei "Atlantis". Was mich bei dem Film allerdings wirklich gestört hat, war das penetrant - schwulstige Hochhalten der Familie (" 'ohana ") als allein selig machende Institution. Etwas weniger Pathos und dafür mehr origineller Witz hätten diesem ansonsten sehenswerten und unterhaltsamen Film ganz gut getan.

Der Erfolg in den USA (nach drei Wochen über 100 Millionen eingespielt) hat uns in Zukunft nicht nur eine TV-Serie beschert, sondern sogar drei Video-Fortsetzungen. Weniger zu holen gab es bei den Kritiker-Preisen: Nur einen "Annie" und die Nominierung für den animierten "Oscar" sprang heraus.
Übrigens: Im Gegensatz zu mir fand meine Frau den Film richtig schlecht.
 

Originaltitel

Lilo and Stitch

Produktionsfirma

Walt Disney Pictures

Produzent

Clark Spencer

Regie

Dean Deblois; Chris Sanders

Drehbuch

Dean Deblois; Chris Sanders

Musik

Alan Silvestri; Elvis Presley

Jahr

2002

Länge

100 Minuten

Internetseite

www.animagic.hpg.ig.com.br/lilo-gal1.htm
disney.go.com/disneypictures/liloandstitch/

 

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