
Copyright: Warner Bros.
Looney
Tunes - Back in Action
Durch eine witzige Story und dem Basketball-Superstar
Michael Jordan gelang den verrückten Warner-Figuren in "Space
Jam" in den 90er Jahren eine gelungene Rückkehr auf die Kinoleinwände. Wer
danach eine neue Welle von Kinofilmen oder zumindest von
Videoveröffentlichungen mit
Bugs & Co. erhofft hatte, wurde aber bitter enttäuscht. Zwar trieb der
freche Hase samt den vielen anderen Figuren seine Späße nun auch im Internet
und neue Serien lieferten ordentlich Nachschub fürs Fernsehen, aber auf der
Kinoleinwand gab es nichts Neues. Erst im Jahr 2003 wurde unter der Regie von
Altmeister Joe Dante ("Gremlins", "Small Soldiers") erneut ein Mischfilm aus Trick- und Realszenen
realisiert. Dieses Mal wurden den Trickfiguren aber keine Sportler an die
Seite gestellt, sondern Schauspieler hatten die nicht gerade leichte
Aufgabe, sich neben der chaotischen Truppe aus den Zeichenfedern bzw. Computern
zu behaupten.
Mit Brendan Fraser ("Die Mumie"), Steve Martin ("Der Mann mit zwei Gehirnen"
und vielen anderen Komödien) oder "James Bond" Timothy Dalton wurde zwar nicht
die erste Garde Hollywoods aufgeboten, aber doch einige bekannte Gesichter.
Wahrscheinlich hatten andere Schauspiel-Größen die nicht unberechtigte Sorge,
gegen die beliebten Cartoons blass auszusehen. Vielleicht wollten sie aber
auch nur nicht in einem Film auftreten, der hemmungslos Werbung für andere
Filme aus den Warner Studios machte. Natürlich kann es witzig sein, mit
Filmzitaten aus "Batman", "James Bond", "Die Jagd nach dem grünen Diamanten",
"Psycho" oder "Men in Black" zu arbeiten, aber die Nähe zu Warner-Produktionen
fällt doch schon negativ auf.
Natürlich kommen auch wieder eine Reihe bekannter Figuren aus den "Looney
Tunes Universum" zum Einsatz - dieses Mal nicht als Mannschaft, sondern als
Nachbarn/Dschungelreisende (das Trio der "Sylvester
und Tweety Mysteries" - aber ohne Hector), Spielcasino-Betreiber (Yosemite
Sam), Killer-Marsianer (Marvin), Paris-Führer (Stinktier Pepe), stotterndes Schwein (Porky Pig), das Speedy etwas über Political Correctness
vorjammert oder als Hasen- und Entenjäger (Elmer, tasmanischer Teufel und Kojote). Dazu
kommen noch viele Figuren, die ihr Unwesen im Hintergrund treiben wie
beispielsweise der tanzende Frosch aus Chuck Jones "One Froggy Evening" oder
Scooby Doo und Shaggy, die mit dem Realfilm Shaggy streiten und man erfährt
mehr über die berüchtigte ACME-Produktionsstätte.
Überhaupt ist der gesamte Film zum Bersten voller Zitate und nimmt zudem die Filmproduktion
kräftig auf die Schippe: Screenings vor den Studio-Bossen,
Umfrage-Ergebnisse, die über das Wohl und Wehe von Stars entscheiden, Merchandising-Kram oder
hemmungsloses Product Placement (hier "Walmart"). Zwischen all diesen (Insider-)Witzen
findet dann noch eine dünne Handlung statt, die aber eher als schwacher Kitt
einer Nummernrevue dient, die oft Standards aus Cartoons und Realfilmen
genüsslich zelebriert. Hier vergessen Regisseur Joe Dante und sein Team
eindeutig, dass ein guter Film (meist) nicht nur von Gags und wilder Action
lebt, sondern eine durchgehende Geschichte nicht unbedingt schaden muss. Dies war
dem Vorgänger-Film eindeutig besser gelungen und hat vielleicht auch mit den
Erfolg dieses Films ausgemacht. Während "Space Jam" allein über 90 Millionen Dollar in den USA einspielte, floppte "Back in Action" gewaltig mit
nur 20
Millionen Dollar Einspielergebnis in den Staaten und auch in Deutschland
wollten lediglich 250.000 Zuschauer den Streifen sehen.
Eine solche finanzielle Backpfeife hat der Film zwar nicht verdient, denn
insgesamt gibt eine Reihe witzig-turbulenter Szenen, die gelungen Real- und
Trickfilm kombinieren. Die Special Effects-Abteilung durfte sich austoben, die
Animatoren konnten zeigen, was sie drauf haben und auch die Darsteller bekamen
das Spiel mit nicht vorhandenen Figuren gut hin. Nur die Drehbuchautoren
schrieben lieber Einzelgags als eine runde Story. Die Geschichte von der Jagd
nach dem Blauen Affen, einem Diamanten der Menschen und Toons in Primaten
verwandeln kann, dient als dünner Handlungsfaden, das Gespann Daffy Duck - DJ
Drake (Brendan Fraser) und Bugs Bunny - Produktionsleiterin Kate Houghton (Jenna
Elfman) um die halbe Welt zu führen. Besonders gelungen die Verfolgungsjagd im
Louvre durch einige Kunstwerke, natürlich in den verschiedenen Kunststilen,
die Bugs trocken kommentiert "dass man im Kino schließlich immer auch etwas
lernen solle".
Besagtes Juwel will der irre Chef
des ACME-Konzerns einsetzen, um die Menschheit zu
versklaven. Dabei hatte er DJ´s Vater Damien (Timothy Dalton) erwischt, der
nicht nur als Schauspieler einen Agenten verkörpert, sondern tatsächlich einer
ist - wie im richtigen "Leben" also. Natürlich darf die passende Geheimorganisation
(hier "Area 52" - Fans von "Akte X" und UFOs kennen das
berüchtigte "Area 51") samt "Mutter"
nicht fehlen und zum Abschluss darf sich
Daffy als "Duck Dogers" als Retter
der Menschheit beweisen. Die Story ist also wenig originell,
aber - wie man schon an der Beschreibung merkt - voller mehr oder
weniger plumper und gelungener Anspielungen und Zitaten.
Die Fans der Looney Tunes bekommen also reichlich etwas geboten - inklusive herab fallender Ambosse - Nichtfans wird sicherlich vieles kalt lassen oder unverständlich bleiben. Es steht zu befürchten, dass nach diesem finanziellen Desaster, ähnlich wie bei Micky Maus und Co. auch Bugs Bunny nur noch auf DVD und im TV neue Auftritte erleben darf. "That´s All Folks"?
| Originaltitel | Looney Tunes - Back in Action |
| Produktionsfirma | Warner Bros. |
| Regie | Joe Dante |
| Produzenten | Allison Abbate, Christopher DeFaria,
Bernie Goldman, Joel Simon Paula Weinstein |
| Ausführender Produzent | Larry Doyle |
| Drehbuch | Larry Doyle, John Requa, Glen Ficarra |
| Musik | Jerry Goldsmith, John Debney, John Frizzell |
| Darsteller | "Looney Tunes" und Brendan Fraser, Jenna Elfman,
Steve Martin Timothy Dalton, Heather Locklear, Joan Cusack |
| Jahr | 2003 |
| Länge | 91 Minuten |
| Internetseite | looneytunes.warnerbros.de/looneytunesbackinaction/ |
