Madagascar   
Copyright: Dreamworks/PDI

Madagascar

Vielleicht kennt Ihr das ja auch? Da sitzt man gemütlich im Kino und erträgt die Kinowerbung und wartet auf den Hauptfilm. Zum Glück gibt es zwischen all der Werbung für lokale Autohäuser, Zigarettenmarken und Langnese-Eis noch einige Trailer für kommende Filme eingestreut. Nur wenige reißen einem so wirklich vom Hocker, aber als ich das erste Mal die Vorschau von "Madagascar" gesehen habe, wusste ich: "Den Film will ich sehen". Das lag einerseits an den witzigen Szenen, aber vor allem der Zeichenstil hatte es mir von Anfang an angetan. Eckige Gesichtszüge, mit überproportional großen oder kleinen Körperteilen gaben den computeranimierten Figuren einen extremen Cartoon-Charme.

Erfreulich, dass sich Spielbergs Dreamworks wieder einmal neues Terrain auslotet und nicht einen weiteren "Shrek"-Klon bietet. Allerdings hat man von diesem Überflieger-Erfolg zumindest das freche Zitieren von Film-Klassikern (unter anderem "American Beauty" oder "Castaway-Verschollen") übernommen und eine Geschichte, die durch ihre Mischung aus purem Slapstick mit dialoglastigen Teilen sowohl den Kindern Spaß bereitet als auch den Erwachsenen. Natürlich werden auch die mittleren Jahrgänge bedient, wobei mir hier langsam der betont cool-lässige Pseudo-Jugend-Slang einiger Figuren wie schon bei "Große Haie, kleine Fische, " zunehmend auf die Nerven fällt. War es damals der Putzerfisch Oscar, so ist es nun das Zebra Marty. Es lebt zusammen mit seinen Freunden im New Yorker Zoo und ist träumt davon, eines Tages die wahre Wildnis und Weite der Steppe kennen zu lernen. Während eine coole Gang von Pinguinen generalstabsmäßig den Ausbruch plant, kennen Martys Kumpel nichts anderes als den Zoo und genießen darin alle Vorzüge. Der eitle Löwe Alex glaubt, Steaks kommen in der täglich präsentierten Form quasi natürlich vor, die Giraffe Melman ist ein Hypochonder und lässt sich mit Spritzen und Pillen traktieren und die gutmütige Nilpferddame Gloria relaxt im Wasserbasin.

Als Marty sich an seinem Geburtstag tatsächlich mit der U-Bahn zur Central Station aufmacht, um dort mit dem Zug nach Connecticut zu fahren, denn dort soll bereits die Wildnis beginnen, wollen ihn seine Freunde zurückholen, um Ärger mit den Menschen zu vermeiden. Den gibt es aber natürlich prompt. Panik, kreischende Menschen, die Nationalgarde, aber auch eine sehr resolute alte Dame bringen die Vier nur kurzzeitig zurück in den Käfig, dann aber in Kisten auf ein Schiff Kurs Afrika. Grund sind Tierschützer, die den Ausbruchversuch zum Anlass nehmen, erfolgreich Freiheit für die gefangenen Tiere einzuklagen. Mit an Bord des Schiffes sind aber auch die Pinguine, die sofort erfolgreich das Schiff kapern, wobei allerdings die Kisten mit Marty und Co. über Bord gehen.
Sie stranden alle wohlbehalten auf Madagascar, das von partysüchtigen Lemuren bewohnt wird. Ihr Anführer ist der etwas dümmliche, aber auch gerissene König Julien XIII, der die Chance sieht durch den Löwen Alex die gefräßigen schakalartigen Feinde loszuwerden.

Bis zu diesem Zeitpunkt macht der Film durch Tempo, Witz und originellen Dialogen Spaß, aber das weitere Geschehen auf der Insel entwickelt leider einige Längen. Zunächst zerstreiten sich die Freunde und raufen sich wieder zusammen bis bei Alex immer mehr die tierischen Instinkte zum Vorschein kommen. Nun hat er Angst vor sich selbst, denn in der Konsequenz bedeutet es seinen besten Kumpel Marty als saftiges Steak im Löwenmaul. Eine gelungene Idee, die dem Film sogar inhaltlich Tiefe gibt, aber nicht spritzig genug in Szene gesetzt wird. Der Film zieht sich plötzlich und man beginnt sich zu langweilen und verliert etwas das Interesse an der Handlung. Hier hätte eine Straffung dem Film sehr gut getan besonders, da zum Schluss dann wieder alles ziemlich schnell geht und das abrupte Ende schon fast nach einer Fortsetzung schreit.

In den USA wurden vom frisch an der Börse notierten Dreamworks den Aktionären ein Erfolg wie "König der Löwen" versprochen. Zwar spielt auch bei "Madagascar" ein Löwe mit, aber die beachtlichen eingespielten 188 Millionen Dollar blieben doch deutlich unter dem Mega-Erfolg von Disney. Einige Monate später verkauften dann Spielberg, Katzenberg und Geffen ihre Firma an den Unterhaltungs-Multi NBC Universal. In Deutschland starteten die vier Zootiere immerhin gleichzeitig mit den fantastischen Vier und nur einige Wochen nach Blockbustern wie "Star Wars III" und "Krieg der Welten", aber sofort eroberten sie den ersten Platz der Kino-Charts und brachten beachtliche 6,2 Millionen Zuschauer in die Filmsäle. Film-Flops sehen anders aus und so findet die Odyssee der wilden Tiere aus New York noch Fortsetzungen im Kino und als TV-Serie. Schließlich gibt es da noch die Seychellen, Sansibar, die Bermudas, die Oster Inseln, Barbados, Jamaika....
 

Originaltitel

Madagascar

Produktionsfirmen

DreamWorks SKG, Pacific Data Images (PDI)

Produzenten

Teresa Cheng, Mireille Soria

Regie

Eric Darnell, Tom McGrath

Drehbuch

Mark Burton, Billy Frolick, Eric Darnell, Tom McGrath

Musik

Ryeland Allison, James Michael Dooley, James S. Levine,
Hans Zimmer; Erick Morillo (song "I Like to Move It")

Jahr

2005

Länge

86 Minuten

Internetadresse

movies.uip.de/madagascar/

 

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