Mononoke
Copyright: Studio Ghibli

 

Prinzessin Mononoke

Dieser Film ist der "König der Löwen" des Anime - zumindest am Erfolg gemessen. Über 14 Millionen Kinogänger in Japan (statistisch jeder achte Japaner) ließen sich von der wunderschönen Geschichte über die Wolfsprinzessin bezaubern. Der Film wurde mit über 200 Millionen eingespielten Mark (bei rund 30 Millionen Produktionskosten) zum erfolgreichsten Film im Land der aufgehenden Sonne. Sein nächster Film sollte diesen Rekord sogar noch toppen.
Außerhalb Japans wurde der Film hingegen eher stiefmütterlich behandelt. Kritiker hatten den Verdacht, dass "Disney", das sich die weltweiten Vermarktungsrechte gesichert hatte, den Film als lästige Konkurrenz am liebsten ganz hätte verschwinden lassen. So schlimm kam es zum Glück nicht. In den USA lief der Film mit einigen Erfolg und in Deutschland kam schließlich eine deutschte Fassung vier Jahre (!) nach der Uraufführung doch noch in die Kinos.
Leider wurde der Film kaum beworben und da Trickfilme für ein erwachsenes Publikum hierzulande immer noch wenig Zuspruch finden, war der Film rasch wieder aus den Kinos verschwunden. Und das ist wirklich sehr, sehr schade.

Ich selbst gehöre nicht gerade zu den glühenden Anime-Anhängern - einige japanische Serien, Videos oder Kinofilme wie zum Beispiel Pokémon oder Digimon haben nicht gerade meine Begeisterung wecken können. Dieser Film ist aber vollkommen anders, denn er erzählt eine komplexe Geschichte in teilweise wunderschönen Bildern und man verlässt das Kino mit dem Gefühl, ein echtes Meisterwerk der Animation gesehen zu haben.

"Die sehen ja aus wie Heidi" gilt auch für diesen Film: Kulleraugen und kindchenhafte Helden, die nicht nur gut aussehen, sondern auch nahezu übermenschliche Kräfte haben. Aber diesmal wirkt dies kaum störend, denn diese typischen Kennzeichen eines Anime (neben diversen anderen Stereotypen) sind in "Prinzessin Mononoke" stark zurückgenommen. Die Figuren entwickeln ein deutlicheres Charakterprofil als man es von den meisten Filmen her kennt.
Die Geschichte spielt in einem mittelalterlichem Japan, in dem es noch Reste alter Magie gibt. Im Mittelpunkt steht der junge Prinz Ashitaka aus dem alten Volk der Imishi, der im Kampf mit einem dämonischen Eber, mit seinem Hass infiziert wird, der ihn nun langsam zerfrisst. Er zieht mit seinem treuen Reittier in den Osten, um dort den Grund zu suchen, warum der Eber zum Dämon wurde und um ein Mittel gegen seine schleichende Vergiftung zu finden.
In wunderschönen Naturbildern wird Ashitakas Reise gezeigt, die schließlich im Dorf Tatara Ba endet, in dem die standhafte Lady Eboshi, eine Stahlschmelze betreibt. Hier produziert sie neuartige Schusswaffen, mit denen sie sich nicht nur den lokalen Herrscher vom Leibe hält, sondern auch gegen die Tiere der umliegenden Wälder kämpft. Es gibt niedliche Waldgeister, riesige weiße Wölfe durchstreifen die Wälder und der Geist des Waldes/Nachtwandler bewahrt den Wald vor der Zerstörung.
An der Seite des Wölfe kämpft Mononoke (auch San genannt), ein junges Mädchen, das á la Mowgli von der Wolfsgöttin Moro aufgezogen wurde. Als Ashitaka sie das erste Mal sieht, verliebt er sich in Mononoke. Aber schon bald wird er in den Konflikt zwischen Mensch und Natur hineingezogen: Auf der einen Seite steht Lady Eboshi, die im Auftrag des Kaisers den Kopf des Waldgottes holen soll und die Wildnis bezwingen will und auf der anderen Seite Mononoke und die Tiere des Waldes, die um ihr letztes Refugium kämpfen.
Auch wenn es sich so anhört, aber auf das übliche, simple Schwarz-Weiß, Gut-Böse Schema wird verzichtet: Lady Eboshi ist zwar stur und skrupellos, aber für den Bestand des Dorfes und seiner Einwohner geht sie jedes Risiko ein. Mononoke kämpft genauso verbissen auf Seiten der Tiere. Der Prinz steht vor der schweren Aufgabe zwischen beiden zu vermitteln.
In bewegenden, teilweise computeranimierten Bildern wird der dramatische Kampf geschildert, ohne Gewalt exzessiv zu zeigen. Im Gegenteil, es gibt Momente absoluter Stille - wirklich toll. Schade nur, dass in Deutschland, trotz sehr guter Kritiken, die Zuschauerresonanz nur gering war. Sollte es mehr Animé dieser Qualität geben, freue ich mich schon jetzt darauf.

Originaltitel Mononoke Hime
Produktionsstudios Dimension / Miramax
Animationsstudio Studio Ghibli
Regie Hayao Miyazaki
Drehbuch Hayao Miyazaki
Musik Joe Hisaishi
Jahr 1997
Länge 133 Minuten
Homepage www.movie.de

 

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