
Copyright: Disney
Mulan
Mit der Verfilmung eines alten chinesischen Gedichtes verwendete "Disney"
erstmals eine Vorlage aus dem asiatischen Kulturkreis. Natürlich wurde
dabei das Original "Disney-kompatibel" gemacht, aber wie zuvor schon
bei Filmen wie "Hercules"
oder "Pocahontas" versuchten die Zeichner anhand von Studienmaterial
wie Zeichnungen oder Fotografien, den Stil des Kulturkreises möglichst
genau zu treffen. Die künstlerischen Leiter reisten zudem drei Wochen lang
durch China (für Amerikaner scheint das zu reichen), um sich Kunst und
Kultur einzuprägen. Natürlich wurde daraus trotzdem kein historischer
Lehrfilm über Sitten und Lebensart im alten China. Stattdessen wird eine
spannend-witzige Abenteuergeschichte erzählt, die sich problemlos in die
modernen Disney-Klassiker einreiht.
Die Geschichte der tapferen Heldin "Mulan" ("Mu" bedeutet
Holz/Wald und "Lan" Orchidee) wurde erstmals in einem rund 2000 Jahre
altem chinesischen Gedicht
beschrieben. Das Mädchen verkleidet sich als Mann, um den alten gebrechlichen
Vater vor dem Kriegsdienst zu bewahren. Dabei bewährt sie sich als tapfere
Soldatin und bekommt einen Posten in der Regierung angeboten. Sie lehnt jedoch
ab und kehrt in ihr Dorf zurück, wo ihren Kameraden erstmals ihre wahre
Identität enthüllt wird. Man kennt in unseren Kulturkreis ähnliche
Geschichten mit starken Frauen aus dem so genannten "schwachen" Geschlecht
- bekanntestes Beispiel ist sicherlich "Jean d´Arc", die aber
bekanntlich auf dem Scheiterhaufen endete. Dieses Schicksal blieb "Mulan"
zum Glück erspart.
Der Film beginnt mit der chinesischen Invasion der Hunnen, die sehr düster
und fast schon unmenschlich dargestellt werden. Dann wird aber rasch auf ein
chinesisches Dorfidyll geblendet, wo eine Reihe Mädchen zur "Ehre
des Hauses" zu einer Hochzeitsladerin gebracht werden. Darunter ist auch
die ziemlich unkonventionelle Mulan, die bei ihrer gewitzten Großmutter
Fa und ihrem Vater lebt. Natürlich "versaut" sie die Vorstellung
und sprengt alle, sich für junge Frauen geziemenden, Umgangsregeln.
Das friedvolle Dorfleben wird durch einen kaiserlichen Boten gestört, der
alle waffenfähigen Männer zum Kriegsdienst fordert, um der Hunneninvasion
zu begegnen. Als sich auch der gesundheitlich angeschlagene Vater von Mulan
aufmachen will, nimmt sie heimlich seine Rolle ein. Mit ihr zusammen reist der
kleine Hausdrache Mushu (deutsche Stimme von Otto), der zwar nicht gerade zu
den berühmtesten Ahnen zählt, sich aber am nachhaltigsten durchsetzen
kann. Übrigens sollte sie ursprünglich von einem Pandabär namens
Moo Goo Gai begleitet werden, dann waren noch kurzzeitig zwei andere Drachen
namens Yin und Yang als Helfer vorgesehen.
Zunächst muss die militärische Ausbildung bestanden werden, bei der
sie sich prompt in ihren gut aussehenden Ausbilder verliebt. Ihre Kameraden sind
witzig gezeichnete Typen und die Kampfübungen bieten Anlass für manch
witzige Szene. Schließlich wird gegen den Feind vorgerückt. In einer
sehr spannenden Szene kommt es in den Bergen zum dramatischen Kampf mit den
unheimlichen Hunnen (computeranimiert), die dank Mulans Mut und Einfallsreichtum
besiegt werden können. Dabei fliegt jedoch ihre Tarnung auf und sie wird
unehrenhaft aus dem Heer entlassen.
Damit ist die Geschichte natürlich noch nicht zu Ende, denn schließlich
muß Mulan noch den Kaiser in seiner Hauptstadt vor einem Attentat bewahren
und sich so und ihre Familie rehabilitieren. Außerdem ist da ja noch der
Ausbilder...
Ein farbenprächtiges, witziges und spannendes Abenteuer haben die Macher
bei Disney abgeliefert. Hier stimmt (fast) alles: Die Charaktere sind überzeugend
- das Geschwätz von Otto nervt allerdings manchmal etwas - die (meist)
traditionelle Animation ist von der chinesischen Kunst inspiriert und flüssig
umgesetzt und bei der Musik mischen sich ost-westliche Töne. Einziges Ärgernis
ist für mich die aufgesetzte Schlusssequenz, bei der die Ahnen eine Party
feiern, die mit westlicher Popmusik untermalt wird - hier musste man noch schnell
einen Song für die Hitparaden bzw. den "Oscar" unterbringen.
Nach dem vergleichsweise erfolglosen und zum Teil heftig kritisierten Film des
Vorjahres "Hercules"
konnte Mulan sowohl die Kritiker (und auch mich) zufrieden stellen und brachte
an den Kassen viel mehr ein. In den USA wurden über 120 Mio. Dollar eingespielt
(bei ca. 70 Mio. Dollar Produktionskosten) und auch in Deutschland gab es über
4,1 Millionen Besucher. Der fast schon auf Disney abonnierte "Oscar"
für die beste Filmmusik blieb in diesem Jahr jedoch aus.
Trotz des Erfolges gab es bisher noch keine Fortsetzung auf Video (ist aber
im Gespräch) oder eine TV-Serie.
Originaltitel |
Mulan |
Produktionsfirma |
Walt Disney Pictures |
Produzent |
Pam Coats |
Regie |
Barry Cook, Tony Bancroft |
Originalvorlage |
Chinesisches Märchen/Gedicht eines unbekannten Poeten |
Story |
Chris Sanders |
Musik |
Jerry Goldsmith |
Songs |
Matthew Wilder, Vanessa-Mae Nicholson, David Zippel |
Deutsche Synchronisationsstimmen |
Otto, Cosma Shiva Hagen |
Jahr |
1998 |
Länge |
88 Minuten |
Internetseite |
www.ifrance.com/waltdisney/telechargement/ |
