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Findet Nemo!
Die Erfolgsstory der Ideenschmiede "Pixar" erreicht mit diesem
Film ihren (vorläufigen?) Höhepunkt. Beginnend mit "Toy Story" war ein Film
erfolgreicher als sein Vorgänger und nun mit dem fünften abendfüllenden
Spielfilm konnte ein kleiner Clownfisch den König der Löwen entthronen. Das Team
um John Lasseter produzierte den bisher kommerziell erfolgreichsten
Animationsfilm aller Zeiten: Allein in den USA wurden 330 Millionen Dollar
eingespielt. In vielen anderen Ländern der Welt purzelten gleichfalls die
Einnahmerekorde reiehnweise - obwohl, je nach Berechnung, andere Filme wie das
"Dschungelbuch" weltweit noch ganz vorne rangieren. Sei es drum, fest steht,
dass das Pixar-Studio zur Zeit die Stellung inne hat, die Disney in den letzten
Jahren im Trickfilm verspielt hat. Zwar profitiert der Mäusekonzern davon, dass
er als Verleiher auftritt und so viele Leute glauben, einen Disney-Film vor sich
zu haben und auch finanziell kassiert man rund die Hälfte der Einnahmen, aber
tatsächlich ist man kreativ hinter den Computerkünstlern zurückgefallen. Dies
wird besonders deutlich, wenn man im Kino als Vorschau den neuesten Disney
"Die Bärenbrüder" sieht: Zeichnungen, Animation und Story wirken gegenüber
"Nemo" ziemlich altbacken und wenig originell. Und das liegt nicht daran, dass sich hier
zwei Produktionstechniken gegenüberstehen, sondern zwei Studios, von denen einem
die guten Geschichtenerzähler verloren gegangen sind. Dies wollen die
Verantwortlichen bei Disney allerdings nicht wahrhaben, sondern läuten, vor
allem dank
des massiven Erfolgs der computergenerierten Filme von "Pixar" und
anderer Studios wie "Dreamworks ("Shrek") oder Fox ("Ice Age"), das Ende des traditionell
animierten Trickfilms ein.
Die Anfänge des Studios waren, wie es sich für Hollywood-Erfolgsstories gehört,
bescheiden. Gründer war Mr. "Star Wars" George Lucas, der wegen einer
Scheidung für 10 Millionen Dollar, die Abteilung an Apple-Gründer Steve Jobs
verkaufen musste. Schon der erste Kurzfilm "Luxor jr." brachte dann die erste
Oscar-Nominierung. Inzwischen wurde mit den ersten
vier Filmen weltweit 1,73 Milliarden Dollar eingespielt - nicht eingerechnet die
Video/DVD- und TV- Verwertungsrechte.
Es ist überraschend, dass die Kreativen bei "Pixar" nicht
schon vorher die Tierwelt des Pazifik für sich entdeckt haben, denn ein Kennzeichen ihrer
Filme ist die Freude an knalligen Farben. Schon zuvor hatte man kräftig im
Farbeimer gerührt, um Spielzeug, Insekten und Monster zum bunten Leben zu
erwecken. Die pazifische Unterwasserwelt mit ihren fantastischen Farben,
bizarren Formen und vielfältigen Tierwelt bot sich nun geradezu ideal an, um
dort ein weiteres Abenteuer spielen zu lassen. Schließlich hatte auch schon ein
kleiner Schwamm aus Bikini Bottom
gezeigt, dass diese Lebenswelt einiges zu bieten hat. Hinzu kam, dass für die
Computerfachleute inzwischen das Wasser mit all seinen Schattierungen und
Lichtreflexen kein unüberwindliches Hindernis bei der Animation mehr darstellt.
Zusätzlich wurde sorgfältig recherchiert, wie
man es immer wieder gerne in den "Making of..." zu diesen Filmen erzählt:
Hier war es ein großes Aquarium im Studio, zahllose Unterwasserfilme von Jacques Custeau und Besuche in Tiefsee-Aquarien.
Und die Recherchen haben sich gelohnt. Die Korallenwelt des Great Barrier Reefs vor der Küste Australiens ist wirklich beeindruckend
und detailbesessen animiert und lässt
einen immer wieder vergessen, es eigentlich mit einer am Computer erzeugten Welt
zu tun zu haben. In dieser Umgebung wächst der Clownfisch Nemo auf, ängstlich
von seinem allein erziehenden Vater Marlin behütet. Diese übertriebene
Vorsorge treibt dann prompt den Sohn zu einer Mutprobe, die ihn zum Gefangenen
eines Zahnarztes in dessen Aquarium macht.
Hier trennen sich dann die Erzählstränge. Auf der einen Seite wird von den
Befreiungsversuchen Nemos und seiner mitgefangenen Aquariumsbewohner
erzählt auf der anderen Seite wird von Marlins Odyssee berichtet, die viele
Gefahren, neue Freude, skurrile Typen und neue Erkenntnisse bringt. Als
besondere Hilfe bei der Suche erweist sich Dorie (geniale Sprecherin: Anke Engelke), die zwar
unter extremen Gedächtnisverlust leidet, aber dafür unter anderem die menschliche Sprache
lesen und sogar walisch sprechen kann. Dann gibt es den "Club der anonymen
Fischesser", die sich geloben "Fische sind Freunde, kein Futter", ziemlich
bekiffte Schildkröten, Zeichen bildende Fischschwärme, gefährliche Leuchtfische
und Quallen, hilfreiche Pelikane oder verfressene Möwen, die aussehen als seien
sie aus einem Aardman-Film entsprungen. Alleine die liebevolle Gestaltung
vieler Nebenfiguren im Ozean und Aquarium lässt den Zuschauer über den
Einfallsreichtum der Macher staunen.
Sucht man bei den Tieren eine möglichst naturalistische Darstellung, wird darauf
bei den Menschen weitgehend verzichtet. Der Zahnarzt, seine Patienten oder das
brutale Mädchen Darla, eine Art Elmyra, die an den brutalen Spielzeugverstümmler
in Toy Story erinnert, werden weiterhin karikaturenhaft angelegt. Das Ziel
Menschen wie bei "Final Fantasy" möglichst naturgetreu im Computer nachzubilden,
stecken sich die Animatoren bei "Pixar" eindeutig nicht.
Müssen sie aber auch nicht solange sie weiterhin so gute Gesichten erzählen, die
erstmals neben einem hohen Spaßfaktor auch emotional berühren und so noch mehr "Disney"-Feeling
aufkommen lassen. Mehr als einmal fürchtet man als Zuschauer um das Leben des kleinen Nemo und
versteht die Ängste des besorgten Vaters auf seiner ereignisreichen Suche. Aber
natürlich ist das Happy End auch bei einem "Pixar"-Film Pflicht.
Pflicht ist es auch für den Zuschauer wieder den Abspann anzuschauen, denn es
gibt auch nach dem Film noch einige nette Spielereien auf der Leinwand zu
bewundern und es dürfte für die meisten Eltern bestimmt keine lästige Pflicht
gewesen sein, in diesen Film gehen zu müssen. Schwieriger wird es da schon
werden den Nachwuchs davon abzuhalten, sich auch ein Aquarium zu wünschen oder
als Fischbefreier loszuziehen, um den Tieren die Freiheit per Toilettenspülung wiederzuschenken.
Ich
freue mich jedenfalls schon auf den neuesten Geniestreich vom "neuen Disney", bei dem
dann erstmals Menschen die Hauptrolle spielen werden, wenn auch mit
Superkräften ausgestattet.
Originaltitel |
Finding Nemo |
Produktionsfirma |
Pixar Animation Studios und Walt Disney Prod., USA |
Regie |
Andrew Stanton |
Co-Regie |
Lee Unkrich |
Produzenten |
Graham Walters, John Lasseter, Jinko Gotoh |
Drehbuch |
Andrew Stanton, Bob Peterson, David Reynolds |
Musik |
Thomas Newman |
Jahr |
2003 |
Länge |
100 Minuten |
Internet |
www.disney.de/DisneyKinofilme/nemo/ |
