Robots
Copyright: 20th Century Fox; Blue Sky Studios

Robots

Computeranimation und Roboter sind zwei Bereiche, die bestens zueinander passen. In Filmen wie "I Robot" mit Will Smith und vielen weiteren Science Fiction Streifen werden die per Computer animierten elektronischen Diener der Zukunft meist als bedrohliche Gestalten dargestellt, die die Herrschaft über die Menschen an sich reißen wollen. Im Zeichentrickfilm zeigt sich insbesondere bei den Animes die Technik- und Robotervernarrtheit der Japaner. Als "klassische Roboter", Androiden - halb Mensch, halb Roboter - oder in Form menschlicher Kampfmaschinen (Battle Suits, Battle Robots), bekommen die Fans alle Spielarten mechanischer Wunderwerke zu sehen. Durch die stetig verbesserte Computeranimation hat die Zahl dieser Filme sogar noch zugenommen, denn nun können die Zeichner die Stahl glänzenden Oberflächen perfekt darstellen und die Bewegungen noch flüssiger gestalten.

Nun gestaltet der amerikanische Regisseur Chris Wedge, der zuvor mit "Ice Age" noch einen Ausflug in die Frühzeit der Erde gemacht hatte, eine Welt, die von Maschinen bewohnt wird. Es sind aber nicht Chrom glänzende, perfekt ausgestatte Kampfgeräte, sondern im Gegenteil Maschinen und Gegenstände, die an normale, gebrauchte Haushalts- und Bastelgegenstände erinnern. Da sieht der Zuschauer Muttern und Schrauben, Lackschäden, Motorenöl und hört quietschende Gelenke. Die Roboter erinnern eher an den Film "Braver, kleiner Toaster", in dem es um alte Haushaltsgegenstände ging als an die "Matrix", mit seiner bedrohlichen Roboterwelt. Verstärkt wird die Atmosphäre durch ein kleinstädtisches Flair und einen nostalgischen Look der zwanziger und dreißiger Jahre. So stand beim Aussehen des Helden Rodney eindeutig eher Fritz Langs Roboter aus "Metropolis" Pate. Auch die Handlung bedient sich immer wieder bei diesem Film-Klassiker.

Insgesamt also mehr Retro- als Zukunft-Look und das in einem Film über Roboter. Leider ist das schon die originellste Idee in einem Film, der mal wieder die Geschichte erzählt von einem Landei, das in die große Stadt kommt, um hier Karriere zu machen. Neu dabei sind lediglich einige sozial-kritische Untertöne, die vorsichtig mit ins Spiel (siehe "Metropolis") gebracht werden. Der skrupellose Bösewicht Ratchet angetrieben von seiner hässlichen Mutter, will den alten Maschinen statt Ersatzteile von nun an "Upgrades" andrehen - also lieber Schönheitsoperation statt Prothesen. Die Altmodelle, die es sich nicht leisten können, wandern ab in die Schmelzöfen. Der idealistische Rodney Copperbottom, ein begnadete Bastler und Erfinder, macht sich nun mit seinen neuen Großstadtfreunden daran, diese Pläne zu durchkreuzen und versucht den ausgelaugten Firmengründer Bigweld zu bewegen, wieder die Geschäfte in seiner Firma zu übernehmen.

Optisch perfekt mit viel Liebe zum Detail und einer spektakulären Fahrt mit dem städtischen "Nahverkehrsmittel" kann der Film von Chris Wedge dennoch nur mäßig begeistern. Aufgrund der zunehmenden Zahl der an Computern animierten Filme schwindet immer mehr der Bonus, dass der Zuschauer allein durch die überwältigende Perfektion der Computeranimation überwältigt wird und die Geschichte dadurch etwas in den Hintergrund treten kann. Vor allem muss das Publikum mit den Leinwandfiguren mitfiebern und sich von ihnen in den Film ziehen lassen. Dies gelingt aber "Robots" nur in Ausnahmefällen. Rodney ist zwar ein lieber Kerl, aber an ein "Scratch" oder gar einen Fisch namens "Nemo" kommt er bei weitem nicht heran. Ebenso sind die Nebenfiguren wie der in Einzelteile zerfallende, dauernd quasselnde Fender, die gutmütige Madame Gasket oder die sexy Cuppy alle ganz niedlich, aber nicht wirklich liebenswert oder originell. Desgleichen die Bösewichte: Um wirklich gemein zu sein fehlt ihnen die diabolische Ausstrahlung. So bleiben einem vor allem kleine Nebenfiguren, einige rasante Szenen und das ungewöhnliche Design in Erinnerung, die Handlung und Hauptfiguren aber nicht.

Trotz des großen Aufgebots bekannter Stimmen im Original: Ewan McGregor, Halle Berry, Mel Brooks oder Robin Williams - in der deutschen Synchro mit Bully Herbig, Thomas Völz, Oliver Kalkofe oder Sarah Connor, konnten die Blue Sky Studios den Megahit "Ice Age" nicht wiederholen. Allerdings geht der Film auch nicht als Flop in die Historie des animierten Films ein. Solide 111 Millionen Dollar spielte er an der amerikanischen Kinokassen ein (Produktionskosten rund 75 Millionen) und in Deutschland lockte er immerhin über 1,3 Millionen Zuschauer. "Ice Age" hatte dagegen 176 Millionen Dollars eingespielt und war 2002 in Deutschland mit über 7,1 Millionen Zuschauern zweiterfolgreichster Film. Solche Erfolge in Serie zu wiederholen schafft bisher allerdings nur "Pixar".
Immerhin konnte hierzulande der extra für den deutschen Markt geschriebene Song "From Zero to Hero" mit Sarah Connor sofort die Chart-Spitze erklimmen. Es bleibt abzuwarten, ob andere Popsternchen so an Sprecherrollen in Trickfilmen kommen werden.
Gespannt kann man auch darauf sein, ob es ein "Robots 2" geben wird, denn laut Wedge hat er noch großes mit dem kleinen Roboter vor.

Originaltitel

Robots

Produktionsfirmen

20th Century Fox; Blue Sky Studios

Produzenten

William Joyce, Jerry Davis, John C. Donkin

Regie

Chris Wedge, Carlos Saldanha

Drehbuch

David Lindsay-Abaire, Lowell Ganz, Babaloo Mandel

Story

David Lindsay-Abaire

Musik

John Powell

Jahr

2005

Länge

90 Minuten

Internetadresse

www.robotsmovie.com

 

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