
Copyright Dreamworks/PDI
Shrek
der Dritte
So langsam nehmen die Filme um den
grünen Oger, der eigentlich nur ein ruhiges Ungeheuer-Leben in seinem Sumpf
führen will, immer mehr biografische Züge an. Wurde im
ersten Teil geschildert, wie er sein
geliebtes Weib Fiona kennen und lieben lernte, so wurde im
Teil 2 geheiratet und
die königliche Verwandtschaft im Märchenreich "Far Far Away" besucht.
Hier musste er sich mit den Schwiegereltern Harold und Lilian arrangieren und gleich die böse,
gute Fee samt ehrgeizigen Sohn aus dem Weg räumen. Nun folgt das Thema Vaterschaft. Zwar werden die kleinen Oger-Kinder erst zum Ende des Films auf die Welt gebracht, aber der angehende
Vater schiebt schon vorher eine Riesenpanik, was da alles auf ihm zukommt. Dies ist
aber nur ein Nebenstrang in einer zwar inhaltlich nicht besonders originellen
Geschichte, die aber wieder mit viel Tempo und Witz erzählt wird.
Natürlich haben Kritiker recht, wenn sie dem neuen Film den anarchistischen Witz
des ersten Teils absprechen. Zu sehr ist der Oger schon selbst Teil dessen
geworden, was früher so frech durch den Kakao gezogen wurde. Der noch
selbstständig verbliebene Animationsbereich von Dreamworks kann nur seine Unabhängigkeit
wahren, wenn die "Marke Shrek" sich weiter als internationales Zugpferd erweist. Dies ist
tatsächlich gelungen, denn weltweit spielt der Film dicke Gewinne ein und
beeindruckte als erfolgreichster Filmstart eines Animationsfilms. Er startete auch in Deutschland mit über einer Million
Besucher in der
ersten Woche, doch dann bröckelte das Interesse sehr rasch und die Besuchszahlen
blieben deutlich unter vier Millionen. Vielleicht wünschten sich die Zuschauer
doch noch mehr vom frechen Geist der ersten Folge, statt einer familientauglichen
Geschichte, die fast von Disney hätte stammen können. Natürlich wird immer
wieder mit Filmzitaten gespielt und Märchentraditionen aufs Korn genommen, aber es wird auch die
moralische Keule geschwungen und dies dann nur halbherzig karikiert. Zudem hätte
eine einfallsreichere Geschichte, die hauptsächlich von einer Nummernrevue an
Gags zusammengehalten wird, nicht geschadet.
Los geht es mit Prinz Charming, der den Tod seiner Mutter nicht verwunden hat
und als abgehalfterter Schauspieler sich als rechtmäßigen Thronerben sieht. Eine
Vorstellung, die dem potenziellen Nachfolger Shek wiederum alles andere als
erstrebenswert erscheint. Er zieht Schlammbäder und Nasenpopeln höfischer
Etikette und strenger Kleiderordnung bei weitem vor. Als dann der Vater von
Fiona - der verzauberte Frosch Harold - tatsächlich seine letzte Fliege schnappt, steht
der Oger tatsächlich vor dem Problem einen Job übernehmen zu müssen, der ihm
überhaupt nicht zusagt. Übrigens lässt die Sterbeszene schön den
sarkastischen Humor der früheren Filme aufblitzen, denn wann sieht man schon mal
eine Person in theatralischer Länge in einen Trickfilm sterben?
Danach wird die Geschichte leider etwas fad. Aus nicht näher erklärten
Gründen wird der Cousin Arthur als möglicher weiterer Kandidat aus dem Hut gezaubert. Shrek
macht sich mit Esel und dem Kater auf, den Thronanwärter zu finden, der sich als
schwächliches Bürschchen entpuppt, auf dem an der Uni alle rumtrampeln.
Währenddessen übernimmt Prinz Charming zusammen mit den Bösewichtern der
Märchen- und Sagenwelt, die Macht im Far Far Away. Während er mit dem Tod von
Shrek die Machtübernahme vollständig machen will und eine Falle aufbaut, beweist
Fiona mit einer Gruppe von Prinzessinnen bestehend aus Rapunzel, Dornröschen,
Schneewittchen und Aschenputtel Frauen-Power bei der Flucht aus ihrem
Kerker. Ihr Gatte trifft unterdessen einen esoterisch-exzentrisch abgedrehten
Merlin, der zwar die Körper vom gestiefelten Kater und Esel vertauscht, sie aber auch ins
Königreich beamt, wo aber schon die Falle des Bösewichts lauert.
Alles ganz nett, aber nicht so wirklich mitreißend. Einige neue Charaktere wie
der zickige Merlin oder die Gruppe verwöhnter und zunächst hilfloser
Prinzessinnen bieten zumindest Möglichkeiten für einige Witze, die Klischees aus
der Märchen- und Sagenwelt veräppeln, aber ganz freche anarchistische Gags sind
es nicht. Extrem blass, langweilig und uninteressant ist aber vor allem das
Bübchen Arthur, der erst zu seiner eigenen Stärke finden muss - blah blah blah.
Mehr Mut zur Frechheit wäre hier dringend nötig gewesen.
Dennoch wird der Zuschauer gut unterhalten und bekommt zudem einen erstklassig
animierten Film zu sehen, der besonders viel Spaß bereitet, wenn man die ersten
beiden Teile gesehen hat. Die Animation ist wieder vom Feinsten und beeindruckt
mich in der Mimik und Darstellung von Fabelwesen, Tieren und Menschen mehr
als ambitionierte Trickfilme wie "Der Polarexpress", der sich besonders die
naturalistische Darstellung von Menschen auf die Fahnen geschrieben hatte.
Man muss auch nach Teil drei der Geschichte nicht bang sein, dass die bereits
geplanten Teile vier und fünf plus ein Film zum gestiefelten Kater, in der
Realisation gefährdet wären. Wollen wir nur hoffen, dass den Drehbuchautoren
wieder etwas mehr einfällt und wir Shrek nicht nur in der Vaterrolle und
Großpapa erleben dürfen.
Originaltitel |
Shrek the Third |
Produktionsfirma |
Dreamworks SKG; PDI |
Regie |
Chris Miller; Raman Hui |
Produzenten |
Aron Warner; Andrew Adamson; John H. Williams |
Drehbuch |
Andrew Adamson; Jed Diffenderfer; Howard
Gould; Jeffrey Price; Peter S. Seaman; Jon Zack |
Vorlage |
William Steig |
Musik |
Harry Gregson-Williams |
Jahr |
2007 |
Länge |
80 Min. |
Homepage |
movies.universal-pictures-international-germany.de/shrekderdritte/ |
