sinbad
Copyright: Dreamworks

Sinbad: Der Herr der sieben Meere

Das war es jetzt auch bei "Dreamworks": Mit dem Misserfolg von "Sinbad" an den US-Kinokassen will man, wie zuvor auch schon bei "Disney" angekündigt, dem traditionell hergestellten Zeichentrick keine Chance mehr geben. Mischte man bei dem morgenländischen Fantasy-Abenteuer noch 2D mit 3D-Animation, so soll es von nun an nur noch reine per Computer animierte Filme geben. Als Grund für den Misserfolg beim Publikum meinten die Macher nämlich, der Produktionsweise die Schuld in die Schuhe schieben zu können. Handgezeichnete Trickfilme brauchen nicht nur eine längere Produktionszeit - bei "Sinbad vier Jahre - und mehr Zeichner, was sie teurer macht, sondern sie sind nach Meinung vieler in Hollywood auch "out" beim Publikum.
Tatsächlich kommen da einige sehr teuere Flops in den letzten Jahren zusammen: Disneys "Atlantis" und "Der Schatzplanet", von Dreamworks "Der Weg nach El Dorado" oder von Fox "Titan A.E.". Auf der anderen Seite stehen CGI-Blockbuster wie "Shrek", "Monster AG", "Ice Age" oder aktuell "Findet Nemo".
Dennoch greift mir diese Sichtweise viel zu kurz, denn Erfolge wie "Chihiros Zauberreise" (zumindest im Ausland) oder Disneys "Lilo und Stitch" - mit dem zudem bewiesen wurde, dass man mit strikten Kostenmanagement auch vergleichsweise günstig Animationsfilme herstellen kann - sind großteils noch traditionell hergestellter Zeichentrick. Auf der Computer animierten Seite gibt es da das richtig teuere Desaster "Final Fantasy", das beweist, dass die Formel Computeranimation = Kassenklingeln so nicht immer aufgeht. Dieser Film zeigt vielmehr, dass wohl vor allem das Genre über Top oder Flop (mit-)entscheidet. Schaut man sich die Flops an, so wird schnell klar, dass es statt familientauglicher Comedys eher draufgängerische Actionfilme sind, die vor allem auf ein jugendlich-männliches Publikum abzielen. Wer aber Action sehen will braucht dafür nun wirklich keinen Zeichentrick.
Eher Zufall dürfte es sein, dass man vor allem mit maritimen Stoffen Schiffbruch erlitten hat: Sinbad auf den irdischen Weltmeeren und "Der Schatzplanet" im Weltall, hinzu noch die in Deutschland produzierten Flops "Kommando Störtebecker" und "Abrafaxe-Unter schwarzer Flagge".
Aber zurück zu Sinbad, der angeblich sein "d" verloren haben soll, weil es ihm "Aladdin" gestohlen hat. Nein, Scherz beiseite, es soll eher ein tiefsinniges Wortspiel von "bad" und "sin" sein, denn die Hauptfigur kommt als durchaus zwielichtiger Charakter daher. Extrem lässig und durchtrieben macht er als Pirat die Meere unsicher - natürlich ohne dabei Menschenleben zu gefährden. Sein neues Ziel ist das Buch des Friedens, das auf den Weg nach Syrakus ist, um dort seinem Namen gerecht zu werden. Allerdings gibt es da gleich zwei Schwierigkeiten. Da ist zunächst Eris, die Göttin des Chaos, die selbst das Buch haben möchte, um auf der Erde Unfrieden zu stiften, dann noch Proteus, der Königssohn von Syrakus und ein alter Freund aus Sindbads Kindertagen. An den beiden scheitert dann auch der Diebstahl, aber Eris klaut dann das Buch selbst und schiebt die Schuld Sindbad in die Schuhe. Aber Proteus glaubt, dass etwas vom alten Gefährten übrig ist und bürgt für ihn mit seinem Leben. Nur 10 Tage bleiben dem mutigen Seefahrer, um das Buch im Tartarus aus den Händen von Eris zu reißen. Eigentlich hat er dazu keine Lust, wird aber mit sanfter Gewalt von Marina gedrängt, die dem Königssohn versprochen ist. Es zeigt sich aber bei der mit vielen Gefahren gespickten Reise, dass Sindbad und sie beide den Adrenalinkick der Gefahr brauchen.
Besonders die vielen Monster sorgen immer wieder für spannende Momente und sind toll animiert: Die Sirenen wurden bei Odysseus ausgeliehen, eine gigantische Seeschlange, ein riesiger Fisch von Inselgröße oder Vogel Roch werden von der Göttin auf die Mannschaft gehetzt . Aber nicht nur die Monster sind toll gezeichnet, sondern auch Eris, die sich immer wieder schlängelnd in schwarzen Rauch verflüchtigt. Gelungen sind aber ebenso die Charakterzeichnungen der Menschen und phantastischen Landschaften. Hier wird vielleicht zum letzten Mal gezeigt, welch faszinierende Bilder die Verknüpfung von computer- und gezeichnete Animation erzeugen kann.
Problematisch ist hingegen die Charaktere: Sindbad bleibt zu cool und egoistisch, dass man ihn ins Herz schließen mag, eine energische Frau wie Marina hatte man nun auch schon öfter, dazu einen sabbernden Köter namens Spike und eine raue, aber herzliche Mannschaft. Dazu kommen Dialoge, die es meist an Witz fehlen lassen, so dass man vor allem gespannt auf die nächste Actionszene wartet. Die sind dann aber wirklich temporeich inszeniert wie zum Beispiel der Kampf gegen Eris Seeungeheuer oder die wilde Verfolgungsjagd im Eis ("Ice Age" lässt hier grüßen).
Dieser Sindbad kann mit den phantastischen Abenteuern, die Harryhausen so genial inszenierte, eher mithalten, als andere Trickfilme oder -serien mit dem orientalischen Seefahrer. Dennoch kann man so scheint es mit animierten Action- und Abenteuerfilmen, die nicht
Spaß für die ganze Familie bieten, keinen Blumentopf gewinnen - selbst wenn sie so perfekt gemacht sind wie dieser Film..

Originaltitel Sinbad: Legend of the Seven Seas
Produktionsfirma Dreamworks SKG
Produzenten Mireille Soria, Jeffrey Katzenberg
Regie Tim Johnson, Patrick Gilmore
Drehbuch John Logan
Musik Harry Gregson-Williams
Jahr 2003
Länge 85 Minuten
Internetadresse http://movies.uip.de/sinbad/

 

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