
Copyright Dreamworks
Spirit - Der wilde Mustang
Pferde in Animationsfilmen sind keine Seltenheit
und sicherlich kennt jeder noch Fernsehsehserien mit vierbeinigen Helden wie
"Black Beauty" oder "Fury". Bei Trickfilmen kommen zwar
oftmals Pferde vor, aber meist nur in Neben- oder "tragenden" Rollen,
also als Transportmittel. Aber im Mittelpunkt stehen sie so gut wie nie und
das ist schon verwunderlich bei der Vernarrtheit vieler, vor allem aus dem weiblichen
Geschlecht, in edle Rösser. Der Grund könnte sein, dass eine flüssige
Animation von bewegten Pferden nicht gerade zu den leichtesten Aufgaben eines
Zeichners gehört.
Die Firma "Dreamworks", die zuletzt mit dem computeranimierten Film
"Shrek" einen "Oscar"-Gewinner produziert hatte, wagte sich
nun an die schwierige Aufgabe heran und stellte das Schicksal eines Mustangs
in den Fokus der Geschichte. Dabei wird sowohl Computeranimation als auch herkömmlicher
Zeichenstil verwendet, obwohl man, anders als bei "Shrek", bisher
bei "Dreamworks" kein Glück mit herkömmlich gezeichneten
Trickfilmen hatte ("Der
Weg nach El Dorado"). Leicht wird es auch dieser
Film nicht an den Kinokassen haben, denn auf vieles der Erfolgsformel gängiger
Animationsfilme wurde hier verzichtet.
Zunächst ist es ein Film ohne viele Worte, denn die Tiere sprechen nicht:
Ein ziemliches Wagnis, sich mit einer "sprachlosen Hauptfigur" an
die Kinokassen zu wagen. Die Entscheidung, stattdessen einen Erzähler aus
dem Off zu verwenden, wurde deshalb auch erst nach knapp zwei Produktionsjahren
getroffen als es vom Storyboard an die Animation ging. Dennoch werden die Pferde
dank ausgeprägtem Mienenspiel immer noch als sehr menschlich dargestellt.
Ebenso verzichtete man konsequent auf singende oder tanzende Vierbeiner. Aber
natürlich kommt der Musik bei relativ wenig Text eine noch größere
Rolle zu, als sie in den meisten Trickfilmen sowieso schon hat. Die Gefühle
von "Spirit" werden in Songs verpackt, die im Deutschen von Hartmut
Engler ("Pur"), im Original von Brian Adams gesungen werden. Sehr
gelungen auch die orchestrale Begleitung, komponiert von "Oscar"-Preisträger
Hans Zimmer.
Jeffrey Katzenberg, Chef der Animationsabteilung bei "Dreamworks",
strebte insgesamt eher einen Film im Stil von "Der mit dem Wolf tanzt"
an, mit einem Protagonisten, der kein "Mr. Ed", sondern
eher "Bruce Willis with a mane" gleichen sollte. Deshalb wurde
als Studienobjekt extra ein siebenjährigen Mustang namens
"Donner" besorgt, der jetzt sein Gnadenbrot auf einer Ranch fristet.
Insgesamt bewegte man sich so weg von einem typisch unterhaltsam-witzigen Kinderfilm
zu einer anrührend-spannenden "Biografie", die etwas vom Flair
der Besiedlungszeit Amerikas vermittelt. Dies wird mit einer Menge großer
Gefühle - Liebe, Freiheit, Loyalität, Naturverbundenheit erzählt.
Klar, dass dies von einigen als fürchterlichen "Kitsch" abgetan
wird.
Die Geschichte beginnt zu der Zeit, als sich Wildpferde die Weiten der
Prärie mit riesigen Büffelherden teilten. Die idyllische Naturszenerien
werden immer wieder für zeichnerisch großartige Panoramabilder genutzt.
Ein Genuß für das Auge. Einfach nur schön oder fürchterlicher
Postkartenkitsch? Auch das sicherlich Geschmackssache. Ebenso wie die Geschichte.
Der neugierige und tapfere Hengst "Spirit" ist Anführer einer
kleiner Herde Wildpferde. Eines Tages trifft er auf Siedler und gerät in
ihre Gefangenschaft. In einem Militärfort soll sein Wille gebrochen werden.
Doch er ist ebenso gewillt freizukommen wie ein gefangener Lakota namens Little
Creek. Gemeinsam können sie entkommen, doch "Spirit" verliert
sofort wieder seine Freiheit - diesmal an den Indianer und an seine Stute "Rain".
Hin und her gerissen zwischen seinem Wunsch zurück zu seiner Herde zu kehren
und seiner Liebe zu Rain, schlägt das Schicksal wieder zu als das Indianerdorf
von der Kavallerie überfallen wird. Zwar rettet "Spirit" Little
Creek das Leben, aber Rain scheint verloren.
Nun scheint nicht nur das Herz des Mustangs gebrochen, sondern auch sein Wille.
Sein Einsatz als Arbeitspferd beim Eisenbahnbau zeigt aber, dass ihm das Wohlergehen
seiner verlorenen Heimat doch noch aufrichten kann. In einer furios inszenierten
Szene sabotiert er den Fortgang der Bahnarbeiten und flieht erneut dank der
Hilfe von Little Creek. Natürlich gibt es auch noch ein Happy End für
die Liebe.
Zeichnerisch auf allerhöchstem Niveau mit einer exzellenten Verbindung
von herkömmlichen Zeichentrick und Computeranimation kann mich auch die
Geschichte überzeugen. Sicherlich, es gibt große Gefühle satt,
aber auch viele spannende und dramatische Augenblicke - hier und da mit einer
Prise Humor gewürzt. Katzenberg war wohl schon früh klar, hier keinen
Erfolgsgaranten produziert zu haben. Schon sein erster Film bei "Dreamworks"
"Der Prinz
von Ägypten" hatte gezeigt, dass Zeichentrickfilme,
die mehr auf Gefühle als auf Humor setzen, es an den Kinokassen beim Publikum
schwer haben. Deshalb wurde die Werbetrommel besonders laut gerührt. So
gelang es, wie schon bei "Shrek", einen werbewirksamen Auftritt beim
"Filmfestival in Cannes" zu besorgen, bei dem die Filmsongs live vorgestellt
wurden.
Trotz des großen Werbeaufwandes, blieb die Skepsis groß und als
der Film in den amerikanischen Kinos anlief war die Kritik extrem geteilt. Die
Animation bekam fast einhellig Lob, aber ansonsten reichte die Bandbreite zwischen
"kitschig und langweilig" bis zu "wunderschön". Bisher
wurden rund immerhin 65 Millionen Dollar in den USA eingespielt - die magische
100 Millionen-Grenze wurde erwartungsgemäß nicht erreicht.
Dafür gab es Preise und Nominierungen: Vier Annies wurden eingesammelt und zur
Oscar-Nominierung reichte es ebenso.
Originaltitel |
Spirit – The Stallion of the Cimarron (Arbeitstitel: Spirit of the West) |
Produktionsfirma |
Dreamworks SKG |
Produzenten |
Jeffrey Katzenberg; Mireille Soria |
Regie |
Kelly Asbury & Lorna Cook |
Drehbuch |
John Fusco |
Musik |
Hans Zimmer (Musik); Brian Adams (Songs); Steve Jablonsky |
Jahr |
2002 |
Länge |
83 Minuten |
Internetadresse |
www.dreamworks.com/spirit/ |
