Susi und Strolch
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Susi und Strolch

Im Jahr 1955 brachte Walt Disney, der bei diesem Film noch selbst mitwirken konnte, eine klassische Liebesgeschichte auf die Leinwände. Arme Streuner aus der Unterschicht verliebt sich in ein reiches Mädchen aus der Upper Class.
Nur geht es diesmal nicht um menschliche Schicksale, sondern um das zweier Hunde: Der zottelige Mischling Strolch (im Original "Tramp") trifft eines Tages auf den niedlichen Cockerspaniel Susi (Original "Lady") und kann allen Widrigkeiten zum Trotz ihre Liebe erringen.
Die Ursprünge des Films reichen bis zum Jahr 1937 zurück als Disney über eine Geschichte von einer einsamen Cocker-Dame nachdachte. Da las er von Ward Greene die Kurzgeschichte
„Happy Dan, The Whistling Dog" und bat ihm ein Skript zu schreiben, in dem beide Charaktere zusammen auftauchen. So entstand 1943 der Bandwurmtitel "Happy Dan, the Whistling Dog, and Miss Patsy, the Beautiful Spaniel". Es dauerte dann noch über zehn Jahre bevor Disney die Idee wieder aufnahm und dem üblichen Transformationsprozess unterzog. Dabei erhielten unter anderem die beiden vierbeinigen Helden ihre neuen Namen.
Wie immer ist die Animation vom Feinsten und dank der Verwendung des neuen und teuren CinemaScope-Verfahrens kam der Film auf den übergroßen Leinwänden besonders zur Geltung. Das bedeutet allerdings, dass bei späteren Neuaufführungen und Video-/DVD-Veröffentlichungen viel vom Bild auf der Strecke bleibt. Damit verschwindet leider nicht nur Teile des Hintergrundes, sondern hier und da sogar eine der vielen liebvoll gestalteten Nebencharaktere.
Der Film beginnt am Weihnachtsabend in der Wohnung eines frisch verliebten Paares. Unter dem geschmückten Baum liegt eine große, aufwendig verschnürte Schachtel, die bald ihr Geheimnis enthüllt - einen niedlichen weiblichen Cockerwelpen - man kann sich vorstellen, was sich die jungen Zuschauer damals zu Weihnachten gewünscht haben. Sofort ist Susi der absolute Star in Jim und Darling Dears Zuhause. Mit den Nachbarshunden Jock, einem vorwitzigen schottischen Terrier und Trusty, einem alten Knaben, der mit Vorliebe unendlich und langweilig über seine Vorfahren schwadroniert, versteht sie sich ebenfalls bestens.
Es herrscht also Idylle pur und das darf natürlich nicht so bleiben, denn schließlich läuft der Film erst einige Minuten. Zunächst aber wird die Welt des Straßenhundes Strolch gezeigt, der am anderen Ende der Stadt lebt. Sein Leben spielt sich zwischen Mülldeckeln und der ständigen Furcht vor dem städtischen Hundefänger ab. Aber auch er hat neben vierbeinigen Freunden, Menschen wie den Pizzeria-Besitzer Joe, der ihm oft Fressen zukommen lässt.
Für Susi beginnen sich eines Tages die Zustände zu ändern. Plötzlich benehmen sich ihr Herrchen und Frauchen komisch und kümmern sich nicht mehr so intensiv um sie: Ein Baby ist unterwegs. Als Susi von Jock über diese kleinen menschlichen Wesen aufgeklärt wird, taucht Strolch auf und gibt einige unschöne Kommentare ab wie "Wenn das Baby kommt, muss der Hund verschwinden" - nicht ohne Susi dabei schöne Augen zu machen. Als dann das Kind auf der Welt ist, muss der Hund keineswegs aus dem Haus, sondern versteht sich prima mit dem niedlichen Nachwuchs. Das Unglück naht erst mit Tante Sarah, die während einer kleinen Urlaubsreise der Darlings auf den Sprössling aufpassen soll. Mit ihr kommen die beiden fiesen Siamesischen Katzen Si und Am.
Das kann nicht gut gehen und nach einigem Theater findet sich Susi plötzlich mit einem demütigendem Maulkorb wieder und dem unbekannten Straßenleben konfrontiert. Als Retter in der Not taucht Strolch auf und es kommt bald darauf zu einer der romantischsten Szenen in einem Disney-Film: Das gemeinsame Diner bei "Tony´s".
Vor dem Happy End gibt es aber noch spannende Sequenzen mit einer Susi im Hundzwinger und einem Baby rettenden Strolch. Logisch, dass der Straßenköter in die Familie aufgenommen wird und schließlich vier Welpen für weiteren Zuwachs bei den Darlings sorgen.
In vier Jahren schufen 150 Zeichner über zwei Millionen Zeichnungen und in den Studios tummelten sich eine Vielzahl Hunde, um an ihnen Bewegungen und Charakteristika zu studieren. Von dem Wissen profitierte man noch beim nächsten Hunde-Film "Pongo und Perdita/Die 101 Dalmatiner", der schon 1961 nach "Dornröschen" folgte. Übrigens war es auch der erste Disney-Spielfilm, der in Amerika spielte und nicht auf einem Märchen oder Kinder-Bestseller basierte. Das gab den Mitarbeitern natürlich mehr Möglichkeiten, frei eigene Charaktere zu entwickeln.
Eine wichtige Rolle spielte wie immer auch die Musik. Die Songs stammen komplett von der bekannten Jazz-Sängerin Peggy Lee, die im Original vier ihrer Songs selbst singt. Dennoch gab es keinen der schon fast fest abonnierten "Oscars" für die Musik.
Die insgesamt über 94 Millionen Dollar US-Einnahmen machten diese Enttäuschung wett und bis heute gilt der Film als einer der charmantesten und elegantesten, der die Studios verließ. Natürlich musste der Film auch der Zeit Tribut zollen und für den heutigen Geschmack ist er zeitweise doch etwas süßlich und kitschig geraten. Die "Action"-Szenen treiben einem natürlich nicht mehr den Adrenalin-Spiegel nach oben. Aber der Film ist für jüngere Filmfans und jung gebliebene Nostalgiker immer noch äußerst sehenswert.
Über 40 Jahre später gab es dann auf Video mit "Susi und Strolch 2: Kleine Strolche - Großes Abenteuer" eine Fortsetzung, die nahtlos an die Geschichte anschloss.
 

Originaltitel

The Lady and the Tramp

Produktionsfirma

Walt Disney Production

Regie

Hamilton Luske, Clyde Geronimi, Wilfred Jackson

Drehbuch

Erdman Penner, Joe Rinaldi, Ralph Wright, Don DaGradi

Originalvorlage

Ward Greene „Happy Dan, The Whistling Dog"

Musik

Peggy Lee; Sonny Burke (Songs) Oliver Wallace (Musik)

Jahr

1955

Länge

75 Minuten

 

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