
Copyright: Disney/Pixar
WALL-E
- Der Letzte räumt die Erde auf
Es ist schon unglaublich, was für eine beeindruckende Serie erfolgreicher Animationsfilme die Firma Pixar seit ihrer Gründung hingelegt hat. Bestenfalls Disney, das jahrzehntelang den Markt der Trickfilme in Spielfilmlänge beherrschte, kann auf ähnliche Erfolge verweisen. Nachdem Disney die Entwicklungen zum familienkompatiblen Computertrick-Film verpasst hatte, konnte schließlich Pixar in das große Imperium der Maus aufgenommen werden. Der Verlust der Unabhängigkeit führte aber nicht - wie von einigen befürchtet - zum Verlust der unbändigen Kreativität und Klasse, die Pixar-Filme ausmachen. Im Gegenteil: Während die inzwischen ebenfalls CGI-Filme unter dem Disney-Label bestenfalls noch respektable Erfolge einheimsen, aber meist sehr schnell vergessen sind, gelingen dem Pixar-Team weitere Klassiker des modernen Animationsfilms. Dazu zählt nun auch der neunte Streich "WALL-E" über einen Müll sammelnden Roboter, der neben weltweit vielen Besuchern auch renommierte Preise einsammelte darunter den OSCAR. In einer Fortsetzung kann er ihn ja vielleicht ebenfalls im Zivilisationsmüll wieder finden.
Ich kann mir richtig vorstellen, was man in der Vergangenheit
bei dem großen, risikoscheuen Konzern gesagt hätte, wenn jemand mit einer
Geschichte daher gekommen wäre, die von einem Roboter handeln soll, der auf einer
Müll verseuchten Erde ohne Menschen seinen Dienst tut. Und außer einer
Küchenschabe soll kein niedliches Tierchen auftauchen. Zudem wird fast eine
halbe Stunde kein Wort gesagt, sondern nur einige am Computer entstandene
Piepsgeräusche ertönen - absolutes Kassengift. Für Andrew Stanton, der schon bei
dem Mega-Erfolg "Findet Nemo" Regie führte und hier ebenfalls mit am Drehbuch
schrieb,
wahrscheinlich die ganz besondere Herausforderung. Erste Ideen zur Geschichte
sollen ihm schon 1995 gekommen sein.
Das der Film trotzdem ein Massenpublikum begeistert - wobei ich mir junge
Zuschauer so recht in dem Film nicht vorstellen kann - liegt an einer
atemberaubenden Animation, einer originellen Geschichte und einem niedlichen
Hauptdarsteller. Ältere Semester werden sich bei ihm an den Protagonisten aus
dem Spielfilm
"Nummer 5 lebt" erinnern.
Dieser kleine Kerl erledigt als letzter "Waste
Allocation Load Lifter, Earth-class" seinen eintönigen Dienst auf unseren
vermüllten Planeten. Tausende Tonnen Abfall hat er zu handlichen Paketen gepresst
und meterhoch aufgetürmt, nur unterbrochen von gelegentlichen gigantischen
Staubstürmen - alles Bilder, die einem deprimierenden Science-Fiction
Untergangsszenario entsprungen sein könnten.
In dieser wüsten Einöde hat WALL-E ein Bewusstsein entwickelt, das er dank
Zeugnissen aus der Vergangenheit der Menschen weiter entfaltet. Besonders Szenen aus dem alten Hollywood-Streifen "Hello Dolly" haben es ihm angetan, bei denen sich
ein
Pärchen küsst. Nur begleitet von einer winzigen Küchenschabe ändert sich sein
Alltag komplett als eines Tages ein weiterer Roboter aus dem All auftaucht.
Die Menschen, die inzwischen auf der vollautomatisierten Raumstation "Axiom"
der Firma "Buy n Large" weiter existieren,
haben EVE (Extraterrestrial Vegetation Evaluator) auf die Erde geschickt, um zu
überprüfen, ob wieder neues Leben auf dem Heimatplaneten entstanden ist. Dieser moderne
in kühlem Weiß gehaltene Roboter ist nicht nur wieselflink, sondern greift auch
schnell zur Laserwaffe. Das Aufeinandertreffen erinnert etwas an i-Pod
vs.Walkman.
Das kann dem verliebten Müllroboter aber nicht abhalten,
der resoluten Dame Avancen zu machen. Als sich die beiden näher kommen, wird aber EVE´s Programm zur Rückkehr aktiviert, da
sich unter all dem
bunten Krimskrams von WALL-E auch
eine Pflanze befindet.
Nun verlagert sich die Geschichte ins weite All und wird nach Betreten der Raumstation deutlich PIXAR-typischer in Farben, Optik und Dynamik. Damit leider aber auch weniger originell. Es macht weiter Spaß zuzusehen wie schließlich der kleine Roboter das dekadente Leben auf der Raumstation durcheinander bringt und sich ein fetter, aber entschlossener Kapitän dem renitenten Bordcomputer OTTO entgegenstemmt (2001: Odyssee im Weltall lässt grüßen). Das alles ist immer noch großes Kino in perfekter Animation, aber jetzt ziemlich naiv und vorhersehbar. Dies ist wohl doch der Kompromiss, der gemacht werden musste, um dann doch nicht dem kommerziellen Erfolg aufs Spiel zu setzen.
Dem weltweiten Erfolg tat dies dann auch keinen Abbruch. Bei einem Budget von 180 Millionen US-Dollar spielte der Film bis Ende 2008 weltweit über 500 Millionen US-Dollar ein und neben vielen anderen Auszeichnungen, gab es als Krönung einen Oscar 2009.
Originaltitel |
WALL·E |
Produktionsfirmen |
Pixar Animation Studios, Walt Disney Pictures |
Regie |
Andrew Stanton |
| Produzenten | Jim Morris, John Lasseter, Lindsey Collins |
Ausführende Produzenten |
Peter Docter, John Lasseter |
Drehbuch |
Andrew Stanton, Jim Capobianco |
Musik |
Thomas Newman, Peter Gabriel (Song) |
Jahr |
2008 |
Länge |
98 Minuten |
