Wildeste Westen
Copyright: Bruno Bozzetto

Der wildeste Westen

Denkt man an italienische Filme fallen einem vielleicht Filme mit Adriano Celentano, Marcello Mastroiani, Sophia Loren oder Fellini ein und natürlich die vielen Italo-Western, die dank Sergio Leone und Ennio Morricones stimmungsvoller Musik dem ziemlich angestaubten Cowboy-Genre frisches Leben einhauchen konnte. Später sollten sich Bud Spencer und Terence Hill mit ihren Hau-Drauf Filmen wie "Vier Fäuste für ein Halleluja" über dieses Genre lustig machen und dabei immer mehr zur Karikatur ihrer selbst werden. Aber auch der Zeichentrick hat sich der Spaghetti-Western angenommen. Und wer könnte das besser als ein Italiener, insbesondere wenn es sich um den genialen Bruno Bozzetto handelt?

Bereits im Jahre 1965 erschien "West and Soda" - so der Originaltitel des ersten von drei Kinofilmen, die sich über verschiedene Kinogenres her machten, aber immer auch eine liebevolle Huldigung darstellen. Neben dem "Wildesten Westen" waren es noch "VIP - Mein Bruder der Supermann" ( Thema: Superhelden) und "Allegro non Troppo" (eine eigenwillige Hommage an "Fantasia" und Musikfilme). Bruno Bozzetto wurde mit diesen Spielfilmen und seinen witzigen Kurzfilmen, von denen insbesondere die Serie um "Signor Rossi" ein weltweiter Erfolg wurde, zum führenden Vertreter der Fumetti, wie die italienischen Cartoons auch heißen.

Bevor also 1965 nach langen Vorarbeiten Bozzettos erster Spielfilm in die Kinos kam, hatte er sich mit den Filmen um Herrn Rossi und Kurzfilmen wie "Ego" oder "Alpha Omega" schon einen internationalen Ruf als Cartoon-Künstler erworben. Sein Kennzeichen waren karikaturhaft-reduzierte Formen mit meist witzig-nachdenklichen Geschichten, die meist ohne viele Worte auskamen und somit überall verstanden wurden. Nur dank seiner Berühmtheit schaffte wahrscheinlich ein italienischer Trickfilm wie "West and Soda" dann den Sprung in die deutschen Kinos und später ins Fernsehen sowie auf Video - eine DVD-Veröffentlichung lässt leider immer noch auf sich warten. Dabei wäre der Film eine Wiederentdeckung wert, denn auch wenn die große Zeit der Western nun endgültig vorbei zu sein scheint, zieht diese Geschichte alles durch den Kakao, was man von diesem Genre kennt. Da ist ein lässiger lonesome Cowboy samt treuem Pferd, ein fies-feister lokaler Großgrundbesitzer mit seinen durchtriebenen, aber dummen Handlangern und schließlich ein hilfsbedürftiges, aber auch zupackendes Farmer-Mädel. Ach ja, und natürlich auch Indianer und der notorische Säufer - hier aber ein Hund. Die Geschichte liefert dann alles, was das (Western-)Herz begehrt: von wilden Schießereien, heißen Verführungskünsten durch die verruchte Esmaralda bis hin zu großen Gefühlen. Alles serviert im typisch frech-satirisch karikierendem Stil von Bozzetto garniert mit vielen kleinen Gags.

Der Held der Geschichte ist ein spindeldürrer lässiger Clint Eastwood-Verschnitt mit dem Allerwelts-Cowboynamen Johnny. Als Ehrenmann kann er nicht anders als der Farmerin Miss Clementine in einem verlassenen Wüstenkaff zu Hilfe eilen. Sie wird wird von einem schmierigen Zigarre rauchenden Typen namens Thugs und seinen noch schmierigeren Handlangern Ursus und Smilzo tyrannisiert, der hinter ihr und ihrer Farm her ist. Die süße, aber dennoch energische junge Dame verliebt sich  rasch in den Fremdling, der sie beschützt, sich jedoch zunächst nicht binden will und allen Schießwaffen abgeschworen hat. Beides wandelt sich im Verlauf des Films - vor allem als Clementine von den fiesen Typen gekidnappt wird. Einem Showdown zwischen Gut und Böse sowie abschließenden Happy End steht dann nichts mehr im Wege.

Alles in allem also nicht gerade eine originelle Geschichte, die zudem bei dem reduziertem Stil von Bozzetto auf großer Leinwand etwas verloren gewirkt haben mag, aber die Geschichte lebt von vielen witzigen Situationen, schrägen Typen und bietet immer noch Unterhaltung pur. Es wäre schön, wenn neben "Herrn Rossi" endlich auch die anderen Bozzetto-Filme eine ordentliche DVD-Umsetzung in Deutschland erfahren würden.
Übrigens gibt es noch eine weitere Western-Parodie von Mel Brooks mit demselben deutschen Titel.

Originaltitel

West and Soda

Produktionsfirma

Bozzetto Film

Regie

Bruno Bozzetto

Produzent

Bruno Bozzetto

Buch

Attilio Giovannini

Animation Guido Manuli, Giuseppe Laganà, Franco Martelli
Musik Giampiero Boneschi

Jahr

1965

Länge

86 Minuten

Homepage

www.bozzetto.com/features/West/westandsoda2.htm

 

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