Kater Zorbas
Copyright: Tiger Cinematografica

Wie Kater Zorbas der kleinen Möwe das Fliegen beibrachte

Was für ein langer Titel für einen Film für die kleinsten Kinozuschauer. Es fällt doch auf, dass fast nur noch europäische Produktionen den Kinderfilmmarkt beliefern. Trickfilme aus den USA von Disney & Co., mit hohen Budgets hergestellt, haben hingegen möglichst große Zielgruppen im Visier: Hier sollen sowohl jüngere Zuschauer, Jugendliche und auch Erwachsene mit immer aufwendigeren Tricktechniken und mit viel Marketing-Geschrei ins Kino gelockt werden.
Die europäischen Produktionen mit ihren kleineren Budgets und eingeschränkten Aufführungsmärkten versuchen meist erst überhaupt nicht, hier mitzuhalten. Stattdessen macht man entweder Filme, die beliebte Comicfiguren auf die Leinwand bringen ("Asterix" oder "Werner") oder konzentriert sich auf die jüngsten Kinogänger samt ihren Eltern, die sie begleiten. Und hier haben Filme wie "Pettersson und Findus" oder "Der kleine Eisbär" gezeigt, dass Zeichentrickfilme für Kinder durchaus über eine Million Zuschauer in die deutschen Kinos bringen können.
Davon war der Kater Zorbas hierzulande meilenweit entfernt. Lediglich 112.000 Zuschauer wollten die französisch- italienische Koproduktion sehen, die mit 10 Mrd. Lire (keine Ahnung, was das jetzt in Euro ist) die bisher teuerste italienische Trickfilm-Produktion war. Es kann nicht an der Vorlage gelegen haben, denn das Kinderbuch von Luis Sepulveda wurde in 12 Sprachen übersetzt und verkaufte sich weltweit über eine Million mal. Es muss wohl doch am Film selbst liegen, der unter der Federführung von Enzo d'Alo entstand ("Der blaue Pfeil" oder die genauso erfolglose "Momo").
Das mit prallen Farben und Formen arbeitende Layout signalisiert schon deutlich: Das ist ein Film für die Jüngsten. Dann ist die Animation zudem bestenfalls Durchschnitt und nicht gerade detailliert. Etwas Computeranimation und einige geradezu surrealistische Sequenzen passen nicht so recht ins Bild.
Die Geschichte selbst ist ziemlich ungewöhnlich und liebenswert, wird aber ziemlich langatmig, um nicht zu sagen langweilig erzählt. Andererseits sind einige Szenen drin (z.B. die Darstellung der Ratten oder der Tod der Möwe), die kleine Zuschauer doch ziemlich erschrecken könnten. Als Ausgleich gibt es eine ungewöhnliche Katzenbande und ein niedliches Möwenjunges. Worum geht es also?
In einer üblen Hafengegend machen sich immer mehr Ratten breit. Der Kater Zorbas und seine Clique: der alte Colonel, das Kätzchen Yoyo, der Professor Diderot und der Sekretär. Sie führen einen scheinbar aussichtslosen Kampf, denn die Nager werden immer frecher und mehr. Schuld daran ist der größenwahnsinnige Ratterich der Große. Da hilft auch der Mut und die Klugheit ihres unbestrittenen Katzenanführers Zorbas nicht.
Der wird unversehens zum Vater eines Möweneis. Schuld daran ist ein Ölteppich, in dem die werdende Möwenmutter Kengha gerät und kurz darauf stirbt - vorher nimmt sie dem ungewollten Ziehvater noch das Versprechen ab, das Ei auszubrüten und ihrem ungeborenen Kind das Fliegen beizubringen. Und Katzen halten ihre Versprechen und so brütet Zorbas das Ei unter mancherlei Schwierigkeiten aus. Das Küken wird Lucky getauft und als Katze ehrenhalber aufgenommen. Jedoch ist das bisherige Nesthäkchen Yoyo eifersüchtig und so fällt Lucky den Ratten in die Hände. Natürlich startet man eine Rettungsaktion.
Es kommen auch Menschen im Film vor - das tierliebe Mädchen Mina, das mit den Tieren sprechen kann, ist die ideale Identifikationsfigur für die kleinen Zuschauer. So werden sicherlich einige Kinder Spaß am Film haben, aber die meisten Erwachsenen werden den Film etwas langatmig, die Geschichte wenig stringent erzählt und die Animation dürftig finden. Es gibt besser umgesetzte Trickfilme (siehe oben) für Kinder.
 

Originaltitel

La Gabbianello e il Gatto

Produktionsfirmen

Cecchi Gori Group Tiger Cinematografica

Produzent

Vittorio Gori, Rita Cecchi Gori

Ausführende Produzenten

Maria Fares

Regie

Enzo d´Alò

Animationsregie

Silvio Pautasso

Drehbuch

Enzo d´Alò; Umberto Marino

Vorlage

Luis Sepulveda

Musik

David Rhodes

Jahr

1999

Länge

77 Min.

 

Mein Gästebuch